Schülerzeitung LEHRZEICHEN schreibt: „Je suis Karl“ – eine Empfehlung
Dienstag, 8.2.22:
Ein Nachmittag, den die elfte Stufe gemeinsam im Kino verbrachte. Das Thema des Films: Rassismus. „Je suis Karl“, erschienen am 16.9.21, erzählt von einer jungen Frau, die sich nach einem Terroranschlag auf ihre Familie langsam in eine rechte Aktivistin verwandelt. Das Besondere an diesem Film ist mit Sicherheit die Empathie, die man für Maxi empfinden kann. Sie spiegelt keinen Stereotyp wider, ist kein großer, glatzköpfiger Mann mit Bierbauch, der Ausländern Beleidigungen hinterher brüllt und von wohl so ziemlich jedem als unsympathisch abgestempelt wird. Im Gegenteil, Maxi ist ein verlorenes Mädchen auf der Suche nach Halt. Sie bemerkt bis zur völligen Eskalation nicht, wie sie dabei durch raffinierte Manipulation immer tiefer in ein gefährliches Netzwerk einsteigt.[…“]
Als Zuschauer dagegen wird man hinter die Kulissen von re/Generation europe, wie sich diese bestimmte Gruppe nennt, geführt. Schockiert kann man beobachten, was alles getan wird, zu welchen Mitteln man greift, nur um Auftrieb für die Bewegung zu gewinnen. Als Zuschauer ist man in der Lage, das einzelne Drehen und Wenden von Begriffen und Umständen zu erkennen. Als Zuschauer versteht man, wie dreist und gleichzeitig rhetorisch genial mit Emotionen gespielt wird.
Die Vorstellung jedoch, die Handlung real mitzuerleben, lässt einen zweifeln. Ob ich diese Falle am Ende tatsächlich erkannt hätte? Ganz ehrlich, da bin ich mir nicht so sicher. Allerdings ist das schließlich genau der Punkt, auf den der Film aufmerksam machen will. Wie leicht es sein kann, in so eine Falle zu tappen, und, um es mit den Worten von Herrn Markus Mettenleitner auszudrücken: Dass es besser ist, manchmal „nicht zweimal, sondern dreimal hinzuschauen“.
Herr Mettenleitner begleitete den Kinobesuch mit einer Einführung sowie einer kurzen Nachbesprechung. Unter anderem machte er uns dabei an historischen Beispielen klar, dass die Handlungen des Films keineswegs von der Realität abgehoben sind, was vielleicht erst einmal sehr danach schien. Zudem eröffnete er uns, dass einzelne Szene tatsächlich nicht nachgestellt wurden: So waren Aufnahmen von Ausschreitungen in Madrid und einer Demonstration in Stockholm dabei, wodurch der Film sofort einen beängstigenden Wirklichkeitsbezug bekam.
Es ist wohl allgemein bekannt, wie wichtig der Kampf gegen Rassismus für eine funktionierende Gesellschaft sein muss, wie essentiell der Respekt jedem Menschen gegenüber. Genau das bringt einen oft dazu, sich selbst als vollkommen aufgeklärte und unbeeinflussbare Person wahrzunehmen. Jemand, der unmöglich zu diesem Problem beitragen kann – nur ein Problem anderer.
Aber Rassismus ist, war und wird wahrscheinlich immer irgendwie Teil unserer Welt bleiben, das sollten wir nie vergessen. Denn sobald wir unaufmerksam werden, verlieren wir den Kampf.
Mir persönlich ging der Film sehr nahe. Die Stimmung, unterstützt von genau gewählter Musik und Farbgebung, konnte einen wirklich mitreißen und berühren. Vielleicht kein Film, der einen aufmuntert oder zum Lachen bringt – dafür aber einer, der im Kopf bleibt. Definitiv eine große Empfehlung!
Vielen, vielen Dank an dieser Stelle an das Kulturforum Isny, das uns den Film angeboten und den Kinobesuch damit überhaupt erst ermöglicht hat. Genauso ein Dankeschön an den Förderverein des Gymnasiums Isny, der den Eintrittspreis bezuschusste. Außerdem natürlich an Frau Lenke für die Organisation dahinter! Auch wenn an diesem Nachmittag kein Unterricht stattfand, sind wir doch nicht ohne Mehrwert nachhause gegangen!