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Rezension: Etwas ist faul im Dorfe Huisum

Hier vor Gericht Gesindel sollt ihr büßen“ – Die Weibsbilder mit dem „Zerbrochenem Krug“ im Kurhaus

Etwas ist faul im Dorfe Huisum: Ein Krug wurde zerbrochen, eine Verlobung schwebt durch wüste Anschuldigungen beider Seiten in Gefahr, Dorfrichter Adam wacht unter dubiosen Umständen zu spät auf, obwohl doch heute der Kontrollbesuch des Gerichtsrat Walter ansteht… Und zu guter Letzt meint jemand gestern Nacht den wahrhaftigen Teufel gesehen zu haben. Um die Gerichtsverhandlung, die all diese Ereignisse verbindet, geht es in dem Lustspiel „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist, uraufgeführt 1808. Am 30. November spielte es die Theatergruppe „Weibsbilder“ unter der Regie von Ute Dittmar im Kurhaus in Isny – in dem sie bisher noch nie gasierten.

Ruprecht wird beschuldigt den Krug, ein Erbstück der Frau Marthe, zerbrochen zu haben. Denn wer sonst sollte sich abends um 11 Uhr noch im Zimmer von Marthes Tochter, seiner Verlobten, der braven Eve, aufhalten? Er wiederum beschuldigt Besagte der Untreue: Er wäre es nicht gewesen, sondern ein anderer Mann! Sein Vater fordert die baldige Auflösung der Verlobung – während Eve schweigt. Richter Adam soll nun Ordnung schaffen, unter strenger Aufsicht des Gerichtsrates Walter sowie dem Gerichtsschreiber Licht und Adams Mägden an seiner Seite. Er beschuldigt verschiedene Anwesende ohne Beweise und wird mehrmals von seinem Vorgesetzten davon abgehalten, das Verfahren voreilig zu beenden. Dem Zuschauer fällt bald auf: Etwas stimmt da nicht. Adam widerspricht sich selbst, wenn er von der Herkunft seiner Kopfwunden redet. Ruprecht wiederum will dem unbekannten Mann mehrmals mit einer Türklinke auf den Kopf gehauen haben. Warum die richterliche Perücke im Gestrüpp unter Eves Zimmer hängt, kann er ebenfalls nicht wirklich überzeugend erklären. Gekonnt windet sich Simone Uetz als Adam, spinnt sein Netz aus Lügen immer weiter und ähnelt, als dieser der bereits ängstlichen Eve droht, nicht nur aufgrund seines Klumpfußes dem Teufel. Ebenso gut gelingt die Transformation Melanie Tauschers in den überzeugend verkörperten, pflichtbewussten Gerichtsrat Walter. Als moralische Instanz steht er im Gegensatz zu Richter Adam. Neben dessen immer abstruser werdenden Lügen sorgen Licht und Bauer Veit mehrmals für Lacher. Hildegard Birmelin kann durch überzogenes Anbiedern bei Schreiber Lichts Vorgesetzten punkten, Isabella Stump spielt mit vollem Elan den urigen, dezent cholerischen Vater Ruprechts, den Bauer Veit.  Die furiose Frau Marthe lässt nichts auf die Ehre ihrer Tochter Eve kommen. „Unsere“ Charlotte Florack  (Eve) und Linus Lenke (Ruprecht) spielen sich gelungen durch die vielen Wendungen des Stückes.

Der klassischen Darstellung des Lustspiels in traditionellen ländlichen Kleidung sowie einem aus einfacher Gerichtsmöblierung bestehendem Bühnenbild stellt die Inszenierung Einlagen aus zeitgenössischer Musik gegenüber. Obwohl das bei einem Großteil des Publikums gut ankam darf gefragt werden: Wäre es wirklich nötig gewesen? Natürlich, das Stück sollte unterhalten und, besonders, da die gesamte Stufe 12 des Gymnasiums Isny anwesend war, zeigen, dass Klassik gar nicht so langweilig und öde ist. Aber war das nicht eigentlich schon durch die gekürzte Fassung in vereinfachter Sprache erreicht? Brachten die gewitzten Dialoge  den Zuschauer nicht  schon ausreichend zum Lachen?

Denn: Die Weibsbilder bringen den  Kleist richtig gut auf die Bühne, das fanden auch die Zwölfer aus dem Gymnasium. Da braucht es keine Musik aus dem 21. Jahrhundert.