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LEHRZEICHEN: „Uns geht es um Courage“ – Schule Ohne Rassismus

Rassismus. So mächtig. So boshaft. So präsent. Genau das ist es, wogegen unsere Schule kämpfen will.

Einer der wichtigsten Schritte dabei hat am 28.03. stattgefunden. Seitdem sind wir offizielle Mitglieder der Bewegung „Schule ohne Rassismus“. Diese Aktion ermöglicht es den Schülern, Veranstaltungen gegen Rassismus und Diskriminierung selbständig zu organisieren und unterstützt sie dabei. Diesen Schritt haben wir der SMV-Aktionsgruppe, unserem Schulpaten und natürlich auch unserer Schulleitung zu verdanken. Vom Projektleiter Markus Schädle erhielten wir, nach einer kurzen Rede, unsere Urkunde.

Schließlich folgten einige horizonterweiternde Gespräche, bei denen sowohl Meinungen als auch Erfahrungen ausgetauscht wurden. Somit konnten die anwesenden Schüler ihre Ideen vorstellen, aber auch einen Einblick in das Fachwissen erhalten. Unten können Sie sich einen Eindruck von unserem Interview mit Herr Schädle machen:

Können Sie uns von Ihrem Werdegang erzählen?

Herr Schädle: Als ich ein Schüler war, sah die ganze Situation anders aus. Ich habe 2004 mein Abitur gemacht, und damals gab es an meiner Schule tatsächlich weniger als 10 Menschen mit muslimischem Hintergrund und noch 2 Menschen afroamerikanischer Herkunft. Trans war überhaupt kein Thema. Es war schon komisch, wenn man, so wie ich, ein Junge mit langen Haaren war. Es ist keine 20 Jahre her, aber das Thema gab es ja schon immer. Später, im meinem Ethnologie Studium, habe ich gelernt, wie eine Gesellschaft funktioniert. Ich habe Forschung betrieben, und habe festgestellt, dass es ein Muster gibt. Es gibt immer wieder Ausgrenzung, Inklusion, Ausgrenzung, Inklusion. Die funktionieren nach gewissen Regeln. Als ich dann im Berufsleben ankam, war meine erste Stelle Diversity Managment. Es war aber etwas zu trocken für mich, weswegen ich dann zu meinem jetzigen Arbeitgeber gewechselt habe, bei dem es schon seit einiger Zeit das Projekt gab. Da bin ich eher zufällig reingekommen. Weil ein Kollege ausgefallen ist, hat mein damaliger Chef gesagt: „Ja, Sie haben doch mit dem Thema zu tun. Gehen Sie mal dahin.“ Nachdem ich mich mehr informiert habe, entschied ich mich dafür. Mir wurde gesagt „Na gut, Morgen sind Sie an der Schule, hier unten irgendwo in Schwarzwald.“ Ich habe gefragt, was ich dort machen soll. Die Antwort war, dass ich die Schule ins Netzwerk aufnehmen soll. Nachdem mir gezeigt wurde, wie das geht, bin ich losgefahren. Es war eine Massenveranstaltung samt SWR Filmkamera und 800 Leuten. Seit dem habe ich viele Schulen betreut. 2019 habe ich, von meinem damaligen Chef, die Position als Projektleiter übernommen, und habe dann gesagt, dass wir etwas ändern müssen. Davor war es sehr auf die Lehrerschaft ausgerichtet, aber ich wollte die Schüler im Prozess etwas mtnehmen. Wir müssen den Schülern einen anderen Umgang mit dem Ganzen ermöglichen. Wir müssen mehr dafür sorgen, dass die Schüler einen Blick für sich selber und letztlich auch ihr Lebensumfeld kriegen. Jeder kann sich hinsetzen und sagen:

„Jo, die Nazizeit war schlimm, moin moin, hier ist der moralische Zeigefiger.“

Das ist immer einfach. Diese Haltung erfordert auch keine große Reflexion. Mir war es wichtig, dass wir uns damit aktiv auseinander setzen. Nur dann hat das Ganze eine sinnvolle Wirkung. Ich finde es irrsinnig, dass das Projekt so viel weiter wächst. Ihr hab auch das große Glück, dass ihr in einer Zeit lebt, in der es Raum dafür gibt. Und den solltet ihr unbedingt nutzen.

Wie definieren Sie als Experte Rassismus?

Herr Schädle: Das ist eine ganz schwierige Frage. Die Wissenschaftler streiten sich darum seit es den Begriff gibt. Ich würde sagen, Rassimus ist eigentlich nicht der Überbegriff. Rassismus ist eine spezifische Form der Diskriminierung, die sich an Markern, nämlich ethnischen oder kulturellen Eigenschaften, orientiert. Das heißt, es handelt sich eigentlich um einen strukturierten Diskriminierungsvorfall, der auf Basis von Kategorisierung stattfindet. Rassismus ist aber für mich nicht das große Thema. Viel mehr beschäftigt mich Diskriminierung. Denn es passiert überall. Inerhalb von ethnischen, religiösen aber auch geschlechtlichen Gruppierungen.

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Zudem hatten wir die Gelegenheit, dem ehemaligen deutschen Skilangläufer und aktuellen Bundestrainer der deutschen Skilanglauf-Nationalmannschaft, Peter Schlickenrieder, der das Projekt als Pate unterstützt, Fragen zu stellen.

Wieso wollen Sie sich gerade für das Thema Rassismus einsetzen?

Herr Schlickenrieder: Letztendlich ist es egal, ob jung oder alt, denn die Lebensqualität hängt davon ab. Drum macht es Sinn sich damit zu beschäftigen.

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Außerdem hat uns der ebenfalls anwesende Journalist, Michael Panzram, erklärt, wie sich das Thema in heutigen Texten widerspiegelt.

Legen Sie in Ihrer Zeitung viel Wert auf den Umgang mit Diskriminierung?

Herr Panzram: Ganz bestimmt, sonst wäre ich heute nicht hier. Zeitung bildet alle Themen ab, die gesellschaftlich wichtig sind und der Kampf gegen Rassismus gehört ganz klar dazu. Kommunikation ist das aller Wichtigste in dem Bereich. Eine Zeiting ist eine Ebene auf der Kommunikation stattfindet. Ich arbeite für ein Medienhaus, dass mit Radio, Fernsehen und Internet verbunden ist, also ist es nicht nur die gedruckte Zeitung. Dafür sind wir da. Sprich um eine öffentliche Debatte zu führen, über so ein wichtiges Thema, in der Hoffnung, dass es damit möglichst abgewendet wird, auch wenn es wahrscheinlich ein immerwährender Prozess bleibt.

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Um Fokus auf diese Aktion zu legen, hat die SMV Plakate in der Aula aufgehängt. Diese sollen als Brainstorming-Stationen dienen, sodass alle mitwirken können.

Die Sitzung war nicht nur ein bereicherndes Erlebnis für uns, sondern auch der Auftakt einer neuen Wirklichkeit.