Gymnasium Isny, Rainstraße 27, 88316 Isny im Allgäu, +49 (0)7562 97565 - 0, +49 (0)7562 97565 - 29, poststelle(at)gym-isny.schule.bwl.de

LEHRZEICHEN: „Mario und der Zauberer“ voll lebender Puppen – ein Erfahrungsbericht

Als wir die Möglichkeit bekamen, am 17.03.2023 das Figurentheater „Mario und der Zauberer“ von der Bühne Cipolla zu besuchen, hatte ich kaum eine Vorstellung davon, was mich erwartet. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann, ein Autor, der dank Schullektüren keine positiven Assoziationen  erweckte. Diese Vorurteile sollten sich aber glücklicherweise nicht bestätigen.

Das Stück dreht sich um die Urlaubserlebnisse des Protagonisten, die von wahren Erfahrungen Manns inspiriert sind. Hauptsächlicher Schauplatz ist die Bühne des Zauberers, der sein Publikum hypnotisiert und damit spielt. Der Protagonist bleibt vor allem Beobachter. Was erst einmal harmlos klingt, geschieht aber von oben herab und auf extrem unangenehme Weise. Der Zauberer, namentlich Cavaliere Cipolla, schafft es, Personen zu Dingen zu bewegen, die sie eigentlich nicht tun wollen. Mario, eine bereits bekannte Figur, die nun in der Vorstellung des Zauberers wiedergetroffen wird, gelingt es schließlich, sich aus Cipollas Bann zu reißen und ihn umzubringen. Wer mehr Details will, muss sich das Stück aber selber ansehen. – oder das Buch lesen.

Tatsächlich konnte ich während der Aufführung nicht sehr viel mit der Handlung anfangen. Das hat sich jedoch geklärt, als ich danach von einem Interpretationsansatz erfahren habe, welcher den Zauberer als faschistische Führungsperson ansieht, die das Publikum in Anhänger verwandelt. Mario ist demnach derjenige, der dieser Vorstellung entkommt, erkennt, was sich wirklich abspielt und schließlich die Initiative ergreift. „Mario und der Zauberer“ kann also sehr politisch verstanden werden.

Besonders gefallen hat mir die Darstellung des Stücks. Den Begriff Figurentheater konnte ich im Vorhinein maximal zur Kategorie Puppentheater ordnen, wie man es von Kindervorstellungen kennt. Zwar waren ebenfalls Puppen dabei, trotzdem hatte die Aufführung einen ganz anderen Charakter: Während Sebastian Kautz den Protagonisten und mittels der Puppen auch die meisten anderen Figuren spielte, begleitete Gero John das Stück musikalisch. Das gelang den beiden so gut, dass die Puppen wirklich lebendig wirkten. Als ich mir später die Puppen angesehen habe, was die Bühne Cipolla anbot, wirkten die Puppen unnatürlich still.

Die Gestaltung der Puppen war sehr gelungen und teils sehr innovativ. So wurde aus einem Regenschirm schnell mal ein aufgeblasener, herablassender Mann im Anzug. Die Hauptfigur Cipolla hatte als einzige einen Klappmund, sodass die Mimik noch realistischer wurde. Sebastian Kautz stellte auch seinen Unterkörper dar, der bei manchen Figuren fehlte. Wieder andere Figuren waren kleiner oder bestanden nur aus Masken, die Sebastian Kautz oder Gero John trugen.

Die musikalische Untermalung verströmte eine besondere Atmosphäre, die man so aus dem normalen Theater nicht unbedingt kennt. Gero John spielte live (und wirklich gut) auf der Bühne, wobei er gleichzeitig als Charakter fungierte. Insgesamt war es eine neue Art von Theater, für die mich die Bühne Cipolla begeistern konnte, auch wenn die Darstellung auf mich stellenweise etwas zu fanatisch wirkte.

Was das Theater für mich aber wirklich besonders gemacht hat, war die Einbindung des Publikums. Da Cipolla eine eigene Vorstellung spielte, stellte das Publikum auch sein fiktives Publikum dar. Indem Personen auf die Bühne geholt wurden oder der Zauberer direkte Anweisung an das Publikum gab, fühlte man sich mitten im Geschehen, auch wenn sich das manchmal nicht unbedingt gut angefühlt hat. Es hat sich sogar falsch angefühlt, zu tun was Cipolla verlangte. Im Hintergrund der Interpretation ist es vielleicht genau dieses Gefühl, das vermittelt werden sollte.

Auch wenn ich im Stück keinen Plan hatte, was der eigentliche Punkt hinter der Handlung ist, hat es die Bühne Cipolla geschafft, mich emotional mitzureißen und einzubinden. Ein ganz großes Kompliment an das ganze Team dahinter, die diesen Text wohl eh nicht lesen werden. Falls aber doch: Ihr macht das, was ihr macht, genau richtig und verdammt gut! Bilder gibt es auf der offiziellen Seite: www.buehnecipolla.de