Straßburg-Austausch
Es ist Sonntagmorgen, etwa 7:50 Uhr. Während wir normalerweise um diese Zeit wahrscheinlich noch frühstücken oder sogar schlafen würden, stehen nun 20 Schüler*innen aus allen drei neunten Klassen mit Koffern, Rucksäcken und Reisetaschen auf dem Schulhof. Sie warten auf einen Reisebus aus Dornbirn, der sie gemeinsam mit einer Französischklasse nach Straßburg bringen wird, wo sie bis Mittwoch bleiben werden. Die Stimmung ist gut, wenn auch leicht angespannt – wie eigentlich immer vor einer Klassenfahrt.
Kurz darauf kommt der Bus und die Schüler*innen dürfen schon einige Stunden später in Kleingruppen Straßburg erkunden. Später macht die Gruppe noch eine Stadttour per Boot mit Audioguide. Dabei sehen sie bereits einige Gebäude von außen, darunter auch das Europaparlament, das sie in den nächsten Tagen noch besuchen werden.
Am Abend macht sich die Gruppe auf den Weg in ein Restaurant, um eine elsässische Spezialität zu probieren: Flammkuchen. die Flammkuchen sind unterschiedlich gelungen – manche eher angebrannt, andere noch nicht ganz fertig. Als die letzten ihren Flammkuchen bekommen, sind die ersten bereits fertig mit Essen.
Danach dürfen die Schüler*innen schon zurück ins Hostel gehen, während die Lehrkräfte noch im Restaurant bleiben. Eine Schülerin bleibt allerdings versehentlich auf der Toilette zurück und muss warten, bis ihre Freundinnen sie wieder abholen. (Ich wurde zum Glück schließlich doch noch geholt und durfte mir einige kreative Ausreden anhören.)
Zurück im Hostel treffen sich alle im Innenhof zu einem EU-Quiz. Die Schülerinnen aus beiden Ländern werden in gemischte Gruppen eingeteilt und die Gewinnerinnen sollen am nächsten Abend bekanntgegeben werden.
Am nächsten Morgen geht es direkt zum Europaparlament. Nach mehreren Sicherheitskontrollen steht die Gruppe schließlich vor dem beeindruckenden Gebäude. Besonders auffällig ist ein turmartiger Bereich, der absichtlich unfertig aussieht, um die Offenheit der EU zu symbolisieren. Während der Führung erfährt die Gruppe viel über die Architektur, die Geschichte und die Arbeit des Parlaments.
Anschließend dürfen die Schülerinnen erneut in Kleingruppen durch die Stadt ziehen. Sie gehen shoppen und probieren französische Spezialitäten wie verschiedenes Gebäck aus Patisserien. Danach besucht die Gruppe die Kathedrale und bestaunt die Architektur, die Buntglasfenster und die berühmte astronomische Uhr, die ihnen am nächsten Tag noch genauer erklärt werden soll.
Da das Wetter schlechter wird und es nieselt, besucht die Reisegruppe anschließend ein barockes Museum in einem alten Palast. Dort hängen Stillleben und Porträts an den Wänden und besonders auffällig sind einige außergewöhnliche Servierschüsseln in Form von Tierköpfen. (Wer möchte seine Suppe schließlich nicht aus einem Wildschweinkopf essen?)
Am Abend geht es erneut gemeinsam essen. Dieses Mal sitzt die Gruppe allerdings auf Bierbänken und trinkt aus Plastikbechern. Danach dürfen die Schüler*innen wieder zurück ins Hostel. Nach einer kleinen Siegerehrung für das Quiz ist das Tagesprogramm beendet.
Am Dienstag findet eine Stadtrallye durch Straßburg statt, die in „La Petite France“ endet. Die Schüler*innen bearbeiten die Aufgaben erneut in gemischten Gruppen und dürfen anschließend noch etwas durch das Viertel streifen. Dabei entdecken sie unter anderem einen Laden, der das ganze Jahr über Weihnachtsdekoration verkauft.
Später besucht die Gruppe erneut die Kathedrale, diesmal für eine Führung zur astronomischen Uhr. Dabei erfahren die Schüler*innen, dass diese nicht nur die Uhrzeit anzeigt, sondern unter anderem auch Mondphasen und kirchliche Feiertage berechnen kann und das erstaunlich genau.
Danach folgen noch eine Museumsrallye durch ein Europamuseum sowie eine weitere Rallye durch das Europaviertel.
Am Dienstagabend dürfen die Schüler*innen selbst entscheiden, wo sie essen möchten. Viele ziehen dafür wieder in Kleingruppen durch die Stadt. (Ich war in einem Burgerladen namens „Munch“, den ich wirklich empfehlen kann. Das Preis-Leistungs-Verhältnis war gut und die Pommes waren genial.)
Später am Abend werden schließlich die Sieger*innen der verschiedenen Rallyes bekanntgegeben.
Am Mittwoch frühstücken alle ein letztes Mal im Hostel, packen ihre Koffer und ziehen die Betten ab. Bevor die Rückreise beginnt, steht allerdings noch ein letzter Programmpunkt an: eine Führung durch das Tomi-Ungerer-Museum. Dort werden vor allem politische Karikaturen ausgestellt, beispielsweise gegen den Vietnamkrieg, aber auch Zeichnungen aus Ungerers Kindheit während der deutschen Besatzung Straßburgs. Die Museumsführerin lässt außerdem einige Werke auf Französisch analysieren und interpretieren. Danach sollen die Schüler*innen Bilder aus dem Kopf nachzeichnen und schließlich selbst ein Werk im Stil Tomi Ungerers gestalten. (Ich habe es versucht, aber ich bin nun mal kein Künstler.)
Danach ist der Austausch mehr oder weniger beendet. Alle steigen in den Bus und verlassen Frankreich.
Für mich war der Austausch eine wirklich großartige Gelegenheit, mein Französisch tatsächlich im Alltag zu verwenden und gleichzeitig mehr über die Geschichte Straßburgs zu lernen. Besonders der Besuch des Europaparlaments hat geholfen, Politik auf EU-Ebene besser zu verstehen, vor allem weil wir direkt an den Orten waren, an denen diese Politik gemacht wird. Ich bin froh, dass unsere Schule solche Austausche ermöglicht, und noch mehr, dass ich an diesem teilnehmen durfte.

