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Kolumne: Es sind die kleinen Dinge…

Auf dem Boden lagen dreckige Pfützen. Große, mittlere und kleine. Blubbernd und laubzersetzend. Was manche Himmel nennen, war eine Mischung aus grauen Wolken und aufsteigendem Smog. In der Ferne sah ich eine rote Nylontüte flattern. Einige ältere Schüler liefen lachend an mir vorbei und hielten in der Hand eine ähnlich aussehende Tüte, aus der es verdächtig nach starken Gewürzen und öliger Masse stank. Eben ein durchschnittlicher Dienstag. Ich vermied Augenkontakt, blieb gefasst und zeigte mich besonders interessiert für den abblätternden Lack auf meinem Reißverschluss. Endlich war er da. Der Bus. Meine eingefrorenen Glieder bewegten sich. Keine Minute später fragte ich eine ältere Dame, ob denn der Sitzplatz neben ihr frei sei. Sie lächelte mich mit einer Gleichgültigkeit an, die nun einmal nur Fremde aufbringen können, und drehte sich dann schon wieder zu der Fensterscheibe um.

Manchmal fühlt man sich wie leergesaugt und trotzdem unter Strom. Viel zu viele Deadlines, fremde Erwartungen, ineinander verschmelzende Termine, beurteilende Blicke und verletzende Bemerkungen bestimmten die Woche. Genauso wie die Letzte. Und die davor. 

Der Bus näherte sich verdächtig schnell der Bushaltestelle, an der ich aussteigen musste. Ich drückte mit meinem Daumen auf den roten Knopf, bis die Knöchel meiner linken Hand vor Anstrengung weiß wurden. Im nächsten Moment schaute ich mit einem alten Jutebeutel und dem überfüllten Ranzen meiner Bushaltestelle entgegen, bevor mich die Erkenntnis traf. Ich hatte sie verpasst. Panisch begab ich mich zum Vorderteil des Busses, wobei mir das Balancieren nur teilweise gelang. Ich fiel nach rechts und wurde unsanft von unbekannten Händen nach links gestoßen, nur um wieder nach rechts zu taumeln. Muss ein ziemlich komisches Bild abgegeben haben. Endlich öffneten sich die Türen und ich sprang raus. Bevor ich das Geschehene verarbeiten konnte, fing ich an zu gehen. Und plötzlich kam das Lachen.

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich vor zu schreiben, dass mir zwei Blumen am Straßenrand aufgefallen sind, wie es aus den Schornsteinen nach Zimtkuchen und Kürbissuppe roch und das laute Singen aus dem Kindergarten die ganze Straße erfüllte. Aber dann hätte ich nur die Hälfte der Geschichte erzählt. In Wirklichkeit wehte mir der scharfe Wind ins Gesicht und ich hatte wie immer keinen Regenschirm dabei.

Mit durchnässten Klamotten und laufender Nase schlenderte ich den Hügel hinunter, anstatt bereits schnell gegessen und mich an meine Hausaufgaben gesetzt zu haben. Im Klartext bedeutete das, dass ich Zeit verschwendete, über die ich noch nicht einmal verfügte. Eigentlich war meine ernste Fassade nicht an irgendeiner Leichtigkeit zerbrochen, sondern vielmehr an der Komik des Moments. Anstatt mich darüber zu ärgern, giggelte ich. Es war weder ein Ich-pisse-mir-gleich-in-die-Hose-Lachen, noch ein sorgenloses Kichern oder gar ein warmes Grinsen. Stattdessen war es ein hässliches, unbeholfenes Giggeln. Und doch verschönerte es meinen Tag ungemein.

Manchmal muss man eben eine Station weiterfahren, um da anzukommen, wo man hin möchte. Und ja, ich dachte, ich hätte etwas Wichtiges verpasst. Aber wo wäre dann das Lachen geblieben?