Europa hörbar machen
Zehntklässler produzieren eigene Podcaststaffel
Wie entstand die Europäische Union? Warum hat Großbritannien die EU verlassen? Welche Folgen hatte die Griechenlandkrise? Was würde passieren, wenn Deutschland austreten würde? Und warum möchten andere Staaten der Europäischen Union beitreten?
Mit diesen und vielen weiteren Fragen haben sich die Klassen 10a und 10c in diesem Schuljahr im Gemeinschaftskundeunterricht beschäftigt – allerdings nicht auf klassische Weise. Die Schülerinnen und Schüler entwickelten eigene Podcastfolgen, in denen sie sich mit unterschiedlichen Themen beschäftigten, diese selbst recherchierten, aufbereiteten und journalistisch erzählten.
Ausgangspunkt des Projekts war die Idee, die Europäische Union nicht nur als politischen Institutionenverbund kennenzulernen, sondern ihre Bedeutung für den Alltag erfahrbar zu machen. Die Jugendlichen konnten ihre Themen frei wählen und arbeiteten eigenständig an Fragestellungen, die sie persönlich interessierten. So entstanden zehn sehr unterschiedliche Perspektiven auf Europa – von der Geschichte der Europäischen Union über die vier Freiheiten des Binnenmarktes, die Eurokrise und den Brexit bis hin zu den Beziehungen der EU zu anderen Staaten, ihrer Attraktivität und möglichen Erweiterungen.
Dabei blieb es nicht bei der Recherche in Büchern oder im Internet. Die Schülerinnen und Schüler führten Interviews mit Europaabgeordneten, Wissenschaftlern, Politikerinnen und Politikern sowie Menschen, die Europa aus ihrem persönlichen Alltag kennen – unter anderem mit einem Staatsminister, Professoren, sowie Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern. Dadurch wurde Politik greifbar und die ursprüngliche Idee der Anfangszeit der Union, Friedenssicherung und Völkerverständigung, rückte in den Mittelpunkt.
Begleitet wurde das Projekt vom Kreismedienzentrum Ravensburg im Rahmen des Podcastprojekts „Streuobstwiese“. Von der Themenfindung über journalistische Recherche, Interviewführung und Aufnahmetechnik bis hin zum Schnitt lernten die Jugendlichen den gesamten Produktionsprozess kennen. Sie arbeiteten weitgehend selbstständig, organisierten ihre Gruppen, planten Interviews und produzierten ihre Beiträge eigenverantwortlich.
Neben fachlichem Wissen standen dabei Kompetenzen im Mittelpunkt, die weit über den Unterricht hinausgehen: kritisches Recherchieren, Quellen bewerten, Fragen entwickeln, Gespräche führen, Medien gestalten, im Team arbeiten und Projekte eigenständig organisieren. Gerade die offene Aufgabenstellung führte dazu, dass viele Schülerinnen und Schüler sich sehr intensiv mit ihrem Thema beschäftigten.
Entstanden ist eine Podcaststaffel mit zehn Episoden, die zeigt, wie vielfältig Europa ist und wie unterschiedlich man sich einer komplexen politischen Idee nähern kann. Gleichzeitig macht das Projekt deutlich, dass politische Bildung besonders dann gelingt, wenn Schülerinnen und Schüler selbst Fragen stellen, Menschen begegnen und ihre Erkenntnisse für andere verständlich aufbereiten.
Die Podcastreihe ist Teil des Mitmachprojekts „Streuobstwiese“ des Kreismedienzentrums Ravensburg und kann dort vollständig angehört werden. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern ist so eine Staffel entstanden, die Europa nicht nur erklärt, sondern hörbar macht.
Anette Bernecker