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Eine Woche, die alles verändert – Mein diakonisches Praktikum

In der 8. Klasse fragen sich viele, warum plötzlich kein Religions- oder Ethikunterricht mehr im Stundenplan steht. Der Grund: Stattdessen absolviert man ein diakonisches Praktikum – entweder in einem Altenheim oder in einem Behindertenzentrum.

Ich habe mich bewusst dafür entschieden, in einer Behindertenwerkstatt zu helfen, obwohl mir viele vorher gesagt haben, dass es dort „schlimm“ sei. Sie meinten, die Menschen dort wären gruselig, könnten uns nicht verstehen oder sogar gefährlich sein. Trotzdem wollte ich mir mein eigenes Bild machen und stellte schnell fest, dass viele dieser Vorurteile nicht der Realität entsprechen. Für mich sind es jetzt einfach Menschen – nur mit Beeinträchtigungen.

Die Woche dort hat mich sehr berührt. Ich habe die Menschen bei verschiedenen Aufgaben unterstützt. Wir haben gemeinsam gekocht, gebastelt, gemalt und Spiele gespielt – allerdings anders, als ich es gewohnt war. Bei Spielen standen feste Regeln oft nicht im Mittelpunkt. Wichtig war vor allem, dass alle Spaß hatten.

Auch beim Kochen brauchten viele Unterstützung oder stellten viele Fragen, zum Beispiel warum Salami rosa und nicht rot ist. Das konnte manchmal anstrengend sein, zeigte mir aber, wie unterschiedlich Menschen denken und lernen.

Besonders beeindruckt haben mich die kreativen Fähigkeiten vieler Teilnehmer. Einige hatten ein großes Talent beim Basteln und Malen. Ihre Kunstwerke haben mir gezeigt, dass Menschen mit Behinderung genauso Stärken, Interessen und Gefühle haben.

Auch die Arbeit in der Werkstatt war anders als in der Schule oder in Praktika. Die Aufgaben sind so gestaltet, dass jeder sie schaffen kann. Dabei unterstützt man sich gegenseitig und lernt, wie viel man auch mit kleinen Schritten erreichen kann.

Es gab auch Herausforderungen. Manchmal dauerte es länger, bis jemand etwas verstanden oder gesagt hat. Anfangs war das ungewohnt, doch genau diese Momente haben mir gezeigt, wie wichtig Geduld, Aufmerksamkeit und echtes Zuhören sind.

Eine Woche mag kurz wirken, aber sie kann viel verändern – nicht nur für die Menschen, denen man hilft, sondern auch für einen selbst. Ein diakonisches Praktikum zeigt, wie wichtig Mitgefühl, Respekt und Aufmerksamkeit sind und wie wertvoll jeder Mensch ist.

Von Jihan Sino (9c)