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„Die ganze Hand“ – Theaterbesuch

Am Montag, den 20. Januar 2025, trat im Kurhaus am Park in Isny das Theater Lindenhof mit dem Stück „Die ganze Hand“ auf. Neben den verpflichteten Klassenstufen 10, 11 und 12 unseres Gymnasiums waren auch viele andere vor Ort, um das Spiel zu genießen.
Das Theaterstück handelte von dem demokratischen und christlichen Widerständler Eugen Bolz. Er war Justizminister, Innenminister und später Staatspräsident in Württemberg vor der Machtergreifung des NS-Regimes. Als Abgeordneter des Reichstages in Berlin stimmte er trotz anfänglicher Zweifel für das Ermächtigungsgesetz, durch welches die Nationalsozialisten schließlich an die Macht kamen.
Nach der Vertreibung aus seinen Ämtern formulierte er 1934 seinen Widerstand und bereitete mit anderen das Stauffenberg-Attentat vor, nach welchem er Kultusminister werden sollte.

Das Stück stellte Eugen Bolz als Menschen dar und brachte sowohl mögliche Gefühle als auch Gedanken während der verschiedenen Stationen seines Lebens zur Geltung.
Durch auf das Geschehen auf der Bühne abgestimmte Leinwandprojektionen im hinteren Teil der Bühne konnten anschauliche und abwechslungsreiche Szenen entstehen. Während sie das Verständnis förderten, halfen sie auch beim Erzeugen einer gewissen Atmosphäre.

Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler wurde Eugen Bolz von dem Regime verhaftet. Er stellte sich, seinen christlichen Idealen treu bleibend, dem Prozess, bei dem er schließlich zu Tode verurteilt wurde. Eugen Bolz starb als Familienmensch, Politiker, Demokrat, Christ und Widerständler. Am Ende des Spiels stellte er selbst entschlossen fest: „Ich bin eine Warnung!“

Diese Warnung haben viele Isnyer wahrgenommen, wie unsere Umfrage vor Ort widerspiegelt. Dabei wurde als Hauptgrund für den Besuch neben dem aktuellen politischen Anlass der zunehmend rechten Tendenzen, welche Parallelen zu dem gezeigten Stück aufweisen, die allgemeine Lust auf das Theater genannt. „Mal wieder ins Theater“ – sei es wegen Denkanstößen, Perspektivwechseln oder der Möglichkeit, Bekannten jenseits des hektischen Alltags zu begegnen.

Solche kulturellen Bereicherungen befürwortet auch die Stadt Isny mit vielseitigen Förderangeboten. So auch Frau Heindl aus der Isny Marketing GmbH, genauer dem Büro für Kultur, deren Zuständigkeiten weit über das Büromanagement sowie die Veranstaltungskoordination hinausgehen. Durch ihre Arbeit in der Programmplanung bietet sie exzeptionellen Ideen Raum für Verwirklichung. Im folgenden Interview gewährt sie uns einen Einblick hinter die Kulissen dieser
Veranstaltung:

Schülerzeitung: Isnyer atmen heute Abend Kultur ein, doch warum gerade dieses Stück?

Frau Heindl: „Paul Rupf-Bolz, langjähriger Vorstand des Kulturforums Isny e. V., kam auf uns
zu mit dem Wunsch, das Stück „Die ganze Hand“ nach Isny auf die Bühne zu bringen, da es
das Leben seines Großvaters Eugen Bolz behandelt. Sehr gerne haben wir ihn dabei als
Kulturbüro unterstützt und gemeinsam diesen Theaterabend gestaltet.“

Schülerzeitung: „Saat des Hasses“ – vielleicht heute erneut. Ist das Stück gerade besonders
relevant?

Frau Heindl: „Das Stück ist immer relevant, weil es die wichtige Erinnerungsarbeit an die
Schrecken der NS-Zeit und die Widerständler, die sich dagegen aufgelehnt haben, wachhält.
Aber ja, aktuell ist das Thema aktiver Einsatz für die Demokratie und demokratische Werte
wichtiger denn je.“

Schülerzeitung: Politisches Gleichgewicht und Graustufen eines Lebens – als Zuschauer
wurden wir regelrecht mitgerissen. Aber was sollten wir unbedingt mitnehmen?

Frau Heindl: „Zunächst natürlich die geschichtlichen Zusammenhänge, aber auch, dass es
den persönlichen Einsatz jedes Einzelnen braucht, um für die Demokratie einzustehen.“

Nachdem wir eine oder zwei Nächte über das Erlebte geschlafen haben, fand in verschiedenen Unterrichten eine Nachbesprechung statt. Dabei wurden unterschiedliche Eindrücke diskutiert, gebündelt und im Anschluss eingeordnet – in die große Weite der zugehörigen Haltungen. Demnach kam der Geschichtsleistungskurs zu dem Fazit, Eugen Bolz zwischen dem Modernisierungsdruck und einer Abwehrhaltung gegen die Modernisierung einzuordnen, während der Kunstkurs das imposante Bühnenbild in Verbindung zu seiner Gefühlswelt setzte. Insgesamt bleibt uns außer den Eintrittskarten von diesem Abend eine besondere Erfahrung. Neben den integrierten Lernaspekten machte uns das Flair des Stücks bekannt mit einer tieferen Art zu denken. Dafür bedanken wir uns bei allen Organisatoren in- und außerhalb der Schule und sind gespannt zu sehen, was sich nächstes Mal hinter dem Vorhang zeigen wird.

(Larisa Kablar, 11, und Paula Butscher, 10a)