Ayleen und das Villigst-Stipendium
Ayleen Bodenmüller hat im Jahr 2023 Abi bei uns gemacht und studiert jetzt erfolgreich Physik. Die Organisation rund um dieses Studium hat etwas erleichtert, dass sie ein Villigst-Stipendium erhalten hat. Aber was steckt hinter Villigst?
Was ist Villigst?
Das Evangelische Studienwerk Villigst ist eines der 13 Begabtenförderungswerke Deutschlands und wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie Spender*innen gefördert. Villigst fördert Studierende, Promovierende (also Menschen, die ihre Doktorarbeit schreiben) sowie Auszubildende finanziell und ideell. Der Hauptsitz des Evangelischen Studienwerks liegt in Schwerte-Villigst nahe Dortmund.
Wer kann sich für ein Stipendium bei Villigst bewerben?
Tatsächlich kann sich jeder bewerben. Auch wenn Villigst von der Evangelischen Kirche unterstützt wird, muss man nicht zwingend evangelisch sein, um Stipendiat*in zu werden. Seit 2024 können sich sogar Auszubildende für ein Stipendium bewerben. Gegen den verbreiteten Glauben braucht man zwar gute Noten, aber nicht zwingend einen Einserschnitt. Viel wichtiger sind soziales Engagement und Persönlichkeit. Mit einer Bewerbung kann man auf jeden Fall nichts verlieren, aber sehr viel gewinnen.
Wie wird man beim Studium unterstützt?
Die Förderung teilt sich in einen finanziellen und einen ideellen Teil auf. Die finanzielle Förderung orientiert sich am BAföG-Satz. Anders als beim BAföG muss man jedoch nichts von dem Geld, welches man durch das Stipendium bekommt, zurückzahlen. Zusätzlich gibt es eine Studienkostenpauschale von 300 Euro pro Monat, welche unabhängig vom BAföG-Satz ist.
Auf der anderen Seite gibt es noch die ideelle Förderung. Diese bietet einem die Möglichkeit, sich auch außerhalb des Studienfelds weiterzubilden. Es finden regelmäßig Seminare oder Workshops statt, man kann AGs beitreten oder auch bei mehrtägigen Veranstaltungen teilnehmen. Themen dieser Veranstaltungen sind zum Beispiel aktuelle politische Themen, aber auch Sprache, Musik, Mathematik und vieles mehr. Die ideelle Förderung ist freiwillig. Das Evangelische Studienwerk Villigst legt auch viel Wert auf stipendiatische Mitbestimmung. Das heißt, es gibt sehr viele Möglichkeiten sich selbst und die eigenen Ideen mit einzubringen.
Außerdem werden auch Auslandsaufenthalte wie Praktika, Sprachkurse und Auslandssemester gefördert. Zusätzlich bietet Villigst einem einen Ansprechpartner für alle Fragen, die einen beschäftigen.
Haben die Stipendiat*innen Verpflichtungen?
Ja, als Stipendiat*in muss man einen Jahresbericht schreiben und Bescheinigungen über die erhaltenen Noten abgeben. Im Gegensatz zu anderen Studienwerken muss man sich jedoch nicht immer wieder aufs Neue bewerben und bleibt während der gesamten Studiendauer in Förderung. Abgesehen vom Jahresbericht und den Leistungsbescheinigungen ist jede*r Stipendiat*in außerdem verpflichtet, das Studienwerk bei seiner Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen, also zum Beispiel Vorträge halten, Texte schreiben oder ‒ so wie ich hier gerade ‒ ein Interview über das Stipendium geben. Außerdem muss man mindestens einmal beim Auswahlprozess neuer Stipendiat*innen helfen. Insgesamt sind das aber meiner Meinung nach wirklich machbare Pflichten im Vergleich zu dem, was man bekommt.
Wie läuft der Bewerbungsprozess für ein Studienstipendium ab?
Zuerst schickt man Zeugnisse und zwei Gutachten, und zwar fachlich sowie gesellschaftlich. Das kann zum Beispiel das eigene Ehrenamt sein. Dafür gibt es pro Jahr zwei Fristen, Anfang und Mitte des Jahres. Anschließend wird man zu einem Gespräch eingeladen. Ist das geschafft, wird man zur Hauptauswahl in Villigst eingeladen. Diese erstreckt sich über zwei Tage mit Gruppendiskussionen und einem weiteren Einzelgespräch. Damit ist die Auswahl abgeschlossen und man bekommt später Bescheid, ob es geklappt hat. Wie vorher schon erwähnt, gibt es auch das Stipendium für Auszubildende. Alle Infos zu beiden Stipendien sind auf der Website des Studienwerks (www.evstudienwerk.de) zu finden.
Was bleibt von Villigst, wenn das Geld wegfällt?
Für mich bleibt Gemeinschaft. Die Villigster Grundeinstellung ist extrem offen, herzlich und hilfsbereit und es ist einfach schön, Teil davon zu sein.
Macht ein Stipendium mutiger oder vorsichtiger?
Das ist eine tolle Frage. Ich würde sagen, ein Stipendium senkt die Hürden und öffnet Möglichkeiten. Villigst bietet mir eine gewisse Sicherheit, mit der mir das Studieren leichter fällt. Villigst macht nicht per se mutiger. Es hält mir den Rücken frei, sodass ich es mit dem Mut, den ich schon habe, weiter schaffe.