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Behind the scenes

Es war gerade so ein Moment … diese Momente, die mich grund- und sinnlos an alles erinnern. 

Schnell musste ich denken. Der Lehrer wollte eine Antwort … eine schnelle.  Heißt es „der“ oder „das“ Raum? Ach komm, wir packen einfach ein „dem“ rein, dann meint er nicht, dass du keinen Plan hast.  Aber ehrlich: Das ist doch einfach. Voll das einfache Wort, und ich weiß seinen Artikel nicht! 

Egal. Blöd anschauen lässt mich noch blöder dastehen als ein falscher Artikel. 

Das ist doch alles so lächerlich … vielleicht auch etwas traurig.  Ich kann nach so vielen Jahren Leben hier trotzdem die Sprache nicht richtig.  Egal! Antworten!  „Das Raum 1014 wäre frei.“ Oh nein, doch ein Nominativ … „dem“ war doch der Plan. 

Hat bestimmt keiner bemerkt. Außerdem könnte es richtig sein. „Der Raum!“ ruft die Stimme, die mittlerweile aus dem Raum nebenan durch die Tür zu mir hinein schaute. 

Kann er es mir nicht leiser sagen? Muss es jeder mitbekommen?  Wie immer – lächeln. Und danke sagen? Nee —Entschuldigung! Das war ja ein Fehler. Ja, du verdirbst die Sprache. Sorry? Nein — Entschuldigung. Ja, es ist ein Lehrer. Sorry wäre zu informell.

Okay, jetzt die Aufgabenstellung verstehen. „Erörtere“ … Was ist das eigentlich? Wissen es die anderen? Bin ich die Einzige, die das Wort nicht kennt? Warum überlege ich überhaupt … es ist deren Sprache, nicht meine.  Es kann nur  so sein. Wenn ich jetzt frage, hört es jeder. Vielleicht gehe ich einfach zur nächsten Frage.  Die weiß ich sogar. Es entsteht ein Vulkan. Nee — besteht es? Nein … verstehen

Nee nee nee — verstehen ist das, was du gerade nicht tust. 

Es ist bestehen! Oder entstehen? Ein Punkt mehr oder weniger wird jetzt nicht mein Abschluss  gefährden. … Lass den Satz weg. Einfach weglassen. Ja, das ist gut. Er ist, glaube ich, nämlich eh auch Deutschlehrer. Was, wenn er mir Deutsch-Nachhilfe vorschlägt? Ja weglassen! Gib dann jetzt auch ab, bevor du deine Meinung änderst. 

Die anderen, die abgegeben haben, sehen doch sehr zufrieden aus.  Immer dieses „Wie war’s?“  das blitzschnell von allen nach der KA angeschossen kommt. Aber was soll ich sagen? Die Geschichte vom falschen Präfix wird natürlich nicht erzählt, und das mit der komische Aufgabenstellung wohl erst recht nicht.  Ich belasse es mal bei einem „Gut“, bevor ich mit dieser Panik die ganze Grammatik durcheinanderbringe. 

Vielleicht sollte ich einfach essen gehen. Essen hilft immer. Da ist dein Mund mit Essen beschäftigt, und keiner versteht kleine Sprachfehler. Beim Essen setzen sich immer viele zu uns. Aber doch nicht so viele ??? … aber das kann mir egal sein. Sie sind alle mehr oder weniger nett. Oder weniger … vielleicht etwas zu wenig.Aber das Essen schmeckt. Es schmeckt echt gut. Worüber reden sie eigentlich? 

Beim Antiquariat waren sie. Was ist das? Hört sich an wie ein Ort. Könnte irgendwas wie Kino sein. Sie erzählen ja über eine Geschichte. Egal, einfach wie immer – lächeln und hoffen, dass du nicht angesprochen wirst. Ja lächeln.

Redet er mit mir? Ja, tut er. Er fragt, ob ich auch dabei war. Echt jetzt? Woher soll ich das wissen, wenn ich nicht einmal weiß, was es ist. Was jetzt? Fragen und allen zeigen, dass ich das ganze Gespräch nie verstanden habe, oder vielleicht ignorieren. So tun, als hätte ich es nicht gehört. Ja, das mach ich. Jetzt ruft er meinen Namen. Einmal, zweimal, und ein drittes Mal…. „Irgendwann reicht´s!!!“ Oh nein. Warum schafft es ausgerechnet dieser Satz in die Außenwelt. Und jetzt schauen sie mich alle natürlich verwundert an. Ich verstehe jetzt ausnahmsweise alles, was sie sagen wollen. Blicke sind keine Fremdsprache, so sehr ich auch wünschte, nie verstehen zu müssen, als wie verrückt sie mich wahrnehmen. Man stellt ihr eine normale Frage, und sie fängt an zu schreien, denken sie wohl. Egal … ich verstehe sie nicht, aber sie verstehen mich nicht.