• Volkstrauertag_by_WalterSchmied_SchwbischeZeitung
Durch den Ukraine-Krieg rückt das Thema Krieg und Gewalt näher in unser europäisches Bewusstsein. Die anhaltende Gewalt führt uns jegliches Leid vor Augen, das durch unseren Wohlstand scheinbar vergessen wird. Denn auch außerhalb der EU fordern Gewalt und Krieg jeden Tag Leben. Um diese Opfer zu ehren, wurde 1919 ein nationaler Gedenktag vorgeschlagen: Der Volkstrauertag. Anfangs wurden gefallene Soldaten im Ersten Weltkrieg gefeiert, später erhielt der Feiertag unter Hitler den Namen „Heldengedenktag“. Aus Opfern wurden Helden. Obwohl der Name heutzutage wieder geändert wurde, werden manche Opfer weiterhin als Helden gefeiert. Deswegen stellten sich die Schülerinnen und Schüler des Geschichte-Leistungskurses der Stufe 11 die Frage: Was sind Helden und wer wird an diesem Tag eigentlich gefeiert? Damit gestalteten sie einen zentralen Beitrag der Gedenkfeier vor der Ölbergkapelle in Isny am 13. November. [...]

Hierbei definierten die Schüler und Schülerinnen ihre eigenen Helden und deren Merkmale. Angefangen in der Antike, über das dritte Reich bis hin zu unserer aktuellen Gegenwart, zeigten sie verschiedene Arten von Helden und sammelten gemeinsame Merkmale. Beispielsweise wurde unter aktivem und passivem Heldentum unterschieden. Denn zu oft werden lediglich Menschen in direkten Auseinandersetzungen gesehen. Auch Intellektuelle und Denker retten Leben. „Es sind also nicht immer die Menschen an der Front, für die wir unsere Blicke schärfen sollten. Es sind auch die passiven Helden, die zum Heldentum gehören.“ Außerdem reflektierte der Geschichte-Leistungskurs die Instrumentalisierung des Feiertages unter Hitler und zeigte den Kontrast von Helden zu gefallenen Nationalsozialisten. „Die Widerstandskämpfer riskierten und gaben ihr Leben, um andere aufzuklären und ihnen das wahre Leid und den Horror des Krieges vor Augen zu führen. Damit machten sie sich zu Helden.“ Abschließend wurde auch der Ukraine-Krieg angesprochen. Helden sind hierbei Zivilisten, die für ihre eigenen Überzeugungen kämpfen und versuchen, die Welt ein bisschen besser zu machen. „Dabei geht es nicht um die eigene Person, sondern um die Sache an sich.“ Zudem ist der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, nicht nur Präsident, sondern ein Vorbild und ein Hoffnungsträger. „Für uns ist es bewundernswert, wie er sein Volk durch diese schweren Zeiten leitet und die Weltöffentlichkeit beeinflusst.“

Durch unseren Beitrag zu der Gedenkfeier ist uns klar geworden, wie fehlleitend und gefährlich ein Idealbild von einer Person sein kann und wie wichtig es ist, diese Vorbilder und Helden zu hinterfragen. Unsere Helden verkörperten meist Selbstlosigkeit, Mut oder ein hohes Identifikationspotential. Dadurch sind sie aber nicht sofort Helden. Es liegt letztendlich also immer an uns, zu entscheiden, wer wirklich unser Held ist. [Bild: Walter Schmied - Schwäbisch Zeitung]