Freiheit

Laut Definition bedeutet Freiheit, dass einem bestimmte Grundrechte gewährt werden, wie die Meinungs-, die Bewegungs-, oder die Versammlungsfreiheit.

Davon sind zurzeit manche stark eingeschränkt, weshalb einige Menschen auf die Straße gehen, um diese Rechte, die für eine Demokratie selbstredend und für jeden von uns so wichtig sind, zu verteidigen.  Im Vergleich zu anderen Beispielen in der Geschichte, bei denen Menschen Rechte entzogen wurden, bleibt es aktuell verhältnismäßig aber relativ ruhig. Schließlich heißt es für die meisten von uns sich „einfach“ ein Jahr zurückhalten, während für andere ihr Leben von unserem Verhalten abhängt. Wir stellen das Allgemeinwohl also vor das Wohl des Individuums und wählen das kleinere Übel, was in diesem Fall lautet: So wenig wie möglich Corona-Tote. Dass viele Individuen unter den daraus folgenden Einschränkungen in anderer Hinsicht leiden, wird in der Politik kaum in Diskussionen eingebunden.

Dabei streben wir doch alle nach individueller Freiheit: selbst entscheiden können, was man macht. „Jegliche Einflüsse von außen stellen eine Gefahr für die individuelle Freiheit dar“, so schrieb schon Locke, ein englischer Philosoph. Die Frage ist jedoch, ob eine 100prozentige individuelle Freiheit in einer Gemeinschaft überhaupt wünschenswert oder annähernd realistisch ist. Denn das würde ja gewissermaßen einem Krieg gleichkommen, in dem jeder gegen jeden kämpft, mit dem Ziel, rücksichtslos sein eigenes egoistisches Interesse durchzubringen. In einer solchen Form wäre ein friedliches Zusammenleben gar nicht denkbar - und echte Freiheiten entstehen auch nur im Frieden.  In einer Gruppe von Menschen war es also schon immer notwendig, das individuelle Interesse zum Wohle der Allgemeinheit zurückzuschrauben. Folglich waren wir also auch vor Corona nie wirklich frei, oder?

Heute leben wir zum Glück in einer Demokratie, die uns viele Rechte garantiert. Und dennoch - das Kriterium für Freiheit, dass die Abwesenheit von äußeren Zwängen beschreibt -  wird auch nicht wirklich erfüllt, schließlich haben wir als Staatsbürger quasi angeborene Verpflichtungen, wie die Schulpflicht und das Gesetz schreibt uns unser Handeln vor. Das schränkt in gewissem Maße das freie Handeln ebenfalls ein. Aber das ist auch gut so. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie unser Land ohne Gesetz aussähe. Also - wie weit darf die eigene Freiheit gehen? Wie viel Freiheit wollen wir für uns selbst und für andere? Vermutlich würden wir unseren Mitmenschen nur so viel davon zugestehen, solange sie niemand anderem schaden. Im Grundgesetz in Artikel 2 (1)  ist es ganz gut zusammengefasst:

„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“

Aber auch als Bürger, als Teil einer Gemeinschaft kann man frei sein. Nach den Kriterien der Definitionen zwar nie vollständig, aber das ja, wie gesagt, zu Recht, davon profitieren alle. Außerdem - ist Freiheit eigentlich nicht vielmehr ein Gefühl?

Eine weitere - und vermutlich die grundlegendste Definition: Freiheit bezeichnet die Fähigkeit des Menschen, aus eigenem Willen Entscheidungen zu treffen.

 Nun haben wir zwar Pflichten, innerhalb dieser, aber meist noch einen relativ großen Spielraum. Wir sind in der Schule wegen der Schulpflicht, aber alle von uns haben sich freiwillig für das Gymnasium entschieden (hoffentlich!). Damit wir nach der Schule noch mehr Möglichkeiten haben, frei über unsere Zukunft entscheiden können. So ist es in vielen Bereichen. Hier in Deutschland haben wir Zugriff auf so viel Wissen; es gibt die verschiedensten Vereine, denen wir beitreten können und wir können unsere Meinung frei äußern und diese sogar in die Politik einbringen. Das alles empfinden wir als selbstverständlich, aber das ist es gar nicht unbedingt und es schadet nicht, sich darüber bewusst zu werden und unsere Rechte wertzuschätzen. Denn generell können wir unser Leben doch, zumindest zu einem Großteil, individuell nach unseren Vorstellungen gestalten.

Zumindest normalerweise… Doch im vergangenen Jahr wurden die grundlegendsten und für uns selbstverständlichsten Freiheiten eingeschränkt: Versammlungsfreiheit, Reisefreiheit, Bewegungsfreiheit und sogar die Meinungsfreiheit. Laut dem Report der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ stürzte Deutschland vom Stand „gut“ zu „zufriedenstellend“ in Sachen Pressefreiheit während der Corona- Pandemie ab. Im Allgemeinen sinkt die Qualität des Journalismus auch weltweit. Ist dies noch zu rechtfertigen? Inwiefern kann es sein, dass solche Grundrechte in einer Demokratie wie Deutschland entzogen werden? Und wie kann es sein, dass sich so wenige Menschen dagegen auflehnen? Obwohl sie nur unsere Freiheit verteidigen, welche auch in den Grundrechten niedergeschrieben stehen, bekommen sie nur Hass, Beleidigungen und Gleichgültigkeit entgegengebracht. Viele vergessen anscheinend, dass die Regeln der Politik nicht absolut sind. Sie sind zu kritisieren und zu hinterfragen. Zudem ist es in keiner Weise produktiv, ganze Personengruppen vorschnell zu verurteilen, anstatt eine Debatte zu führen. Freiheit ist ein Wert, welcher verteidigt werden muss. Es ist daher essenziell, dass die Beschränkung ihrer niemals auf die leichte Schulter genommen wird. In Deutschland haben wir schließlich eine Geschichte hinter uns, welche das Verhängnis eines solchen Verhaltens, aufzeigt.

Sobald wir die eine Seite als gut und richtig und eine andere dafür als böse und falsch bewerten, verlieren wir die individuelle Freiheit, uns eine eigene Meinung zu bilden. Sobald wir den Konflikt scheuen und nur blind einem Leitbild folgen, verlieren wir das Grundprinzip unserer Demokratie, in welcher eines jeden Meinung zählt. Und sobald wir unsere Gedanken nicht mehr frei aussprechen, laden sich im Stillen all die Gefühle auf, welche irgendwann herausbrechen müssen. Daher müssen wir miteinander reden. Wir müssen miteinander streiten. Und vor allem müssen wir einander zuhören. Nur so können wir unsere Freiheit sichern.