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Das Große Verstecken 

6:30 Uhr klingelt mein Handy, ich mache mein Bett und stehe auf. 30 Minuten später sitze ich mit meinem Frühstück schon an meinem Schreibtisch, fertig für das mir bevorstehende Homeschooling.

7:30, Uhr „Konferenz gestartet: edudip“, die wohl nervigste Meldung in den letzten zwei Monaten. Bevor ich mich mental darauf vorbereiten kann, höre ich den Satz, der auch aus einem Buch von Stephen King stammen könnte: „Guten Morgen, macht ihr bitte eure Kameras an?“.Nicht nur als Einleitungssatz der Videokonferenz dient er, nein, auch als Startschuss für das tägliche Verstecken der SchülerInnen.

Warum? Aus vielen verschiedenen Gründen:                                                                            

Zu Beginn natürlich der Klassiker: Das Aussehen. Mal ehrlich, es ist keine Seltenheit, dass das Aussehen unter dem Homeschooling etwas leidet, insbesondere die Haare. In manchen Fällen gleicht es sogar mehr einem Wischmopp, was ich natürlich nicht nachvollziehen kann… Abgesehen davon kommen auch noch Augenringe dazu oder Haut, die mit der weißen Tapete verschmilzt. Man sollte allerdings auch nicht die Schüler vergessen, die 10 Minuten vor der Videokonferenz aufstehen und lediglich die Augen öffnen und sich auf wwschool einloggen. Da ist das Aussehen einfach nebensächlich. Also wollen wir SchülerInnen mit dem Ausschalten unserer Kameras die LehrerInnen doch nur vor einem erschreckenden Anblick schützen! Dankbarkeit wäre hier angemessen…                                                                                           

Ganz grundsätzlich habe ich eigentlich kein großes Problem damit, meine Kamera anzumachen. Meiner persönlichen Erfahrung nach, werde ich aber öfters aufgerufen, wenn mein Bild an ist. Wenn gerade mal 4-5 SchülerInnen die Kamera anmachen, wird man, bei manchen LehrerInnen, sehr schnell zu dem Träger der Stunde. Es ist absolut verständlich, dass sich LehrerInnen an die SchülerInnen mit funktionierender Technik halten, trotzdem neige ich dann dazu, meine Kamera eher nicht anzumachen. In meinem Homeschooling-Alltag kommt auch oft noch Frühstücken oder unbemerktes Kommentieren während Videokonferenzen hinzu. Während ich esse oder rede, habe ich auch nicht gerade die Absicht, ein französisches Verb zu konjugieren oder meine Übersetzung für den Latein-Text vorzulesen (Natürlich könnte ich das im Präsensunterricht nie machen, aber das sind nun mal die Vorzüge des Homeschoolings :-)). Beides ist mit ausgeschaltetem Bild somit um einiges leichter.                                                                                                         

Neben mir gibt es natürlich auch noch andere SchülerInnen, mit ganz anderen Problemen. Auf der einen Seite der schüchterne, introvertierte Schüler, der auch im Präsensunterricht keine Freudensprünge macht, wenn er aufgerufen wird. Dass dieser Teil der SchülerInnen seine Kamera eher ungern anmacht, ist verständlich. Auf der anderen Seite die extrovertierte Schülerin, die sich auch im Präsensunterricht oft meldet. Dieser Teil der SchülerInnen macht nach der dritten Aufforderung der Lehrkraft dann tatsächlich die Kamera an. Oder auch nicht, je nach dem, ob die Technik funktioniert oder eben nicht. Dieses Problem ist doch das Häufigste. Natürlich können sich die SchülerInnen, bei denen die Kamera nicht funktioniert, auch ein Leihgerät der Schule holen, allerdings ist auch oft die Verbindung das Problem. Bei diesen SchülerInnen ist das Anmachen der Kamera generell relativ.                                                                                                                    

Dieses große “Verstecken“ hat also doch seine Gründe, die sicherlich nicht unwichtig in der Thematik des Homeschoolings, insbesondere der Videokonferenzen, sind. Also liebe LehrerInnen, seien Sie etwas nachsichtig mit uns SchülerInnen, vor allem montags.

P.S.: Mit den ausgeschalteten Bildern, lassen sich tolle Buchstabenreihenfolgen schaffen! (inspiriert von Herr Lehmann)