• Meteoritenjger_web
Die Zeit nach dem schriftlichen Abitur bis zu den mündlichen Prüfungen ist meist eine zähe. Der Stoff ist im Wesentlichen durch und die Motivation befindet sich auf subatomarer Ebene.  Deshalb hat sich der aktuelle Physikkurs und der Astronomiekurs  von Herrn Hertfelder ein paar Größenordnungen darüber auf Meteoritenjagd begeben. „Wie bitte, Meteoritenjagd in Isny im Allgäu, ist das möglich?“ Die Antwort lautet „ja“, man muss nur wissen, wie man die sogenannten Mikrometeoriten finden kann.

Die heiße Szene der Mikrometeoritenjäger hat der Amateur Jon Larsen ins Leben gerufen. Der norwegische Jazzmusiker entdeckte eines morgens auf seiner weißen Frühstücksdecke ein kleines schwarzes Kügelchen, das Sekunden zuvor noch nicht da war. Damit war seine Neugier geweckt und er begann zu recherchieren, was das wohl sein könnte. Auf seinen Touren mit der Band begann er hobbymäßig Staub von Dächern und Regenrinnen zu sammeln und zu analysieren. In Zusammenarbeit mit Universitäten konnte er 2015 beweisen, dass er tatsächlich inzwischen mehrere Mikrometeoriten gefunden hatte. In seinen Büchern und auf Facebook beschreibt er, mit welchen Methoden man die kleinen Kerle finden kann -https://www.facebook.com/micrometeorites/videos/211737931036949. Er hat inzwischen auch Bildbände mit den Aufnahmen tausender Mikrometeoriten und deren irdischen Doppelgängern veröffentlicht. Er jagt inzwischen hauptberuflich. Es gibt auch schon eine eigene Gruppe mit momentan 879 Teilnehmern https://www.facebook.com/groups/mikrometeoriten auf der Mikrometeoritenjäger ihre Erfahrungen austauschen können.

Pro Tag prasseln ca. 100 Tonnen Material aus dem Sonnensystem auf unsere Erde. Statistisch trifft pro zwei Quadratmeter pro Jahr ein Mikrometeorit auf die Erde. Deshalb sucht man sich am besten große Flachdächer, auf denen sich über längere Zeiträume Sternenstaub angesammelt hat und analysiert diesen. Und jetzt wird es ein bisschen schwierig; die Mikrometeoriten sind im Schnitt nur einen halben Millimeter groß. Man muss zunächst den Staub und Dreck reinigen und organische Bestandteile abtrennen. Idealerweise breitet man dann das Material auf einer Fläche fein aus und fährt mit einem sehr starken Magneten darüber, weil die meisten Meteoriten magnetisch sind und daran haften bleiben. Nun beginnt die eigentliche Suche unter dem Mikroskop. Hat man einen Kandidaten gefunden, muss man ihn mit Bildern von entsprechend ähnlich aussehenden Mikrometeoriten vergleichen. Die Kunst besteht darin, das extraterrestrische Material von irdischem Dreck zu unterscheiden. Gewissheit hat man nur, wenn man die Proben professionell untersuchen lässt. Glücklicherweise besteht ein Kontakt zu Alexander Orchowski. Er arbeitet bei Zeiss an einem Highend Rasterelektronenmikroskop mit Röntgenspektrometer und kann die Proben auf ihre elementare Zusammensetzung untersuchen. Die Mikrometeoriten bestehen aus Partikeln der ursprünglichen Staubwolke, aus der sich die inneren Gesteinsplaneten vor ca.  4,5 Milliarden Jahren gebildet haben. Jeder Mikrometeorit trägt einen chemischen Fingerabdruck der Entstehung unserer Erde und damit von „uns“ selbst. Darin besteht freilich die große Faszination bei der Suche und eine gewisse  Goldgräberstimmung hat sich bereits ausgebreitet. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Isny auch fündig werden.