• 2022-04-09_Ende_Maskenplicht
Seit Montag, dem 04.04.2022 ist die Maskenpflicht im Schulgebäude aufgehoben – eine von mehreren Lockerungen. Damit wurde ein entscheidender Schritt in Richtung Normalität, in Richtung „vor Corona“ gegangen. Trotz dieser Änderung gibt es viele SchülerInnen und LehrerInnen, die nicht auf die Maske verzichten wollen und diese nun freiwillig tragen. Die Situation ist aber nicht ganz so simpel, wie sie auf den ersten Blick scheinen mag. Es gibt definitiv sehr vielseitige Argumente! [...]

Das Offensichtliche zuerst, die Inzidenzzahlen sind hoch. Aktuell reden wir von einer 7-Tage-Inzidenz von über 1000. Diese Zahl muss allerdings auch eingeordnet werden: Die Omikron-Variante ist bekanntlich ansteckender, bringt aber auch seltener einen schweren Verlauf mit sich, insbesondere bei bereits vollständig geimpften Personen. Folglich können die aktuellen Zahlen nur schwer mit früheren verglichen werden, weil die Umstände ganz andere sind.

Ein wage Idee, wohin sich die Lage entwickeln könnte, bietet Österreich: Am 06.03.2022 gab es dort ähnliche Lockerungen wie in Deutschland: 2G- und 3G-Beschränkungen, die Sperrstunde und eine Maximalanzahl an Besuchern bei Veranstaltungen fielen weg. Zudem wurden die Regelungen bezüglich der FFP2-Maskenpflicht auf bestimmte Innenräume, wie Krankenhäuser, Lebensmittelgeschäfte, Busse und ähnliches, begrenzt. Die Konsequenz war jedoch ein drastisches Ansteigen der 7-Tage-Inzidenz von ehemals 2456,27 (06.03.2022) auf 3627,61 (17.03.2022) Infektionen pro 100 000 Einwohner, woraufhin die Regierung schließlich zurückruderte: Am 23.03.2022 entschied man sich, die Maßnahmen erneut zu verschärfen. Der Gesundheitsminister Rauch erklärte dazu, die Öffnungen wären zu früh gekommen. Dieses Beispiel könnte eine Richtung für die nahe Zukunft in Deutschland vorgeben, aber natürlich ist auch das nicht sicher und wird sich erst in jener nahen Zukunft zeigen.

Das präventive Wiedereinführen der Maskenpflicht könnte zwar in dieser Hinsicht etwas absichern, hätte aber selbstverständlich Nachteile. Wie vermutlich jeder und jede in den letzten zwei Jahren gemerkt hat, wird die Kommunikation durch eine Maske deutlich erschwert. Nicht nur dämpft diese die Stimme und beeinträchtigt damit das rein akustische Verständnis: Sie macht auch nonverbales Kommunizieren deutlich schwieriger. Eine Maske verdeckt wesentliche Gesichtszüge, weshalb Emotionen teils falsch oder gar nicht mehr interpretiert werden können. Dadurch haben beispielsweise Lehrkräfte Probleme, die allgemeine Stimmung in der Klasse zu erkennen. Ob Themen verstanden worden sind oder nicht, ist deshalb teilweise nicht mehr allzu offensichtlich, woran schließlich die Qualität des Unterrichts leidet. Ganz allgemein lässt sich festhalten, dass die Maske sich negativ auf soziale Interaktion auswirkt – unter oder zwischen SchülerInnen und LehrerInnen.

Außerdem ist das Tragen einer Maske auf Dauer schlicht unangenehm und vor allem als BrillenträgerIn lästig. Die so oft zitierte verminderte Konzentrationsfähigkeit lässt sich aktuell aber nicht belegen. Aufreißerische Berichte über Kinder, die tatsächlich am Tragen der Maske erkranken oder sterben, sind nachweislich falsch. Zwar soll die Maske den Sauerstoffgehalt im Blut senken, allerdings nur in einem minimalen Bereich, sodass dies keine gesundheitlichen Schäden zur Folge habe. Bereits vor der Pandemie gab es Berufe, in denen eine Maske im Alltag erforderlich ist. Daran ist ebenfalls zu erkennen, dass hiervon prinzipiell keine Gefahr ausgeht.

Masken dienen dem eigenen und dem Schutz anderer. Selbst wenn für die meisten Menschen das Risiko im Falle einer Coronainfektion recht gering sein mag, so sehen manche Personen das Maskentragen als reines Zeichen des Respekts an. Man zeigt, dass man die eigene Verantwortung für sein Gegenüber erkennt und wahrnehmen möchte. Es kann aber in vielen Fällen genauso zu verantworten sein, die Maske abzunehmen. Eine allgemeingültige Regel lässt sich da wie so oft nicht festmachen.

Im Endeffekt ist unsere Gesellschaft auf jedes einzelne Glied angewiesen. Das bedeutet nicht, dass sich jede*r zur absoluten Hingabe verpflichtet. Es bedeutet einfach nur, dass jede*r vernünftig abwägen und entscheiden sollte, was in diesem Moment das Beste für alle Anwesenden darstellt.