• Herti_Youtube
In Zeiten des Online-Unterrichts aufgrund der Corona-Krise floriert der Datenaustausch via Online-Plattformen, der  Drucker kommt an seine Farb- und Papiergrenzen und ganze Baum-Familien bangen vermutlich gerade um ihr Leben. An unserer Schule etablieren sich nun überraschende Alternativen:

Physiklehrer Achim Hertfelder nutzt die neu gewonnene Zeit, um seine Schülerinnen und Schüler weiterhin bestmöglich mit Unterrichtsinhalten zu versorgen und dabei seiner Kreativität Ausdruck zu verleihen:

Mittels YouTube unterhält und informiert er - nicht nur über Unterrichtsinhalte, sondern auch über das aktuelle Vorgehen im Schulgebäude und das Wohlbefinden der schuleigenen Haustiere. Innerhalb von nur vier Tagen kann sein erstes Video bereits stolze 430 Aufrufe vermerken. Bevor er sich aufgrund seines sich anbahnenden „Fames“ nicht mehr vor Interview-Anfragen retten kann, hat sich die Schülerzeitung ein erstes Gespräch sichern können!

Woher kam die Idee, einen YouTube-Kanal zu starten? Sind dafür nur die „Corona-Ferien“ verantwortlich oder haben Sie schon zuvor mit dem Gedanken gespielt?

Den YouTube-Kanal habe ich erstellt um unsere Webweaver-Plattform zu entlasten. Die Idee, mit Videos Unterrichtsinhalte zu vermitteln, ist ja nicht neu, aber vor Corona erschien mir das nicht zielführend. Wenn man eigene Videos macht, kann man sie eben an den eigenen Unterrichtsgang anpassen und zusätzlich kleine Späße für die Schüler einbauen.

In Ihren Videos halten Sie sich fast immer in der Schule auf, obwohl diese eigentlich geschlossen ist. Woran liegt es, dass Sie sich von dem Gebäude einfach nicht losreißen können?

Das hat ganz pragmatische Gründe: In der Schule ist Ruhe und das ganze Equipment ist ja auch dort. Außerdem toben da meine Töchter nicht durch die Gegend. Abgesehen davon finde ich unsere Schule wirklich super zum Arbeiten. Wenn man beispielsweise durch Fortbildungen an andere Schulen kommt, denkt man eigentlich immer, wie schön es an unserer Schule ist.

Ist Ihr Kanal langfristig angelegt oder nur, bis der Schulalltag wieder beginnt?

Ich bin schon ein wenig auf den Geschmack gekommen, aber mir macht es viel mehr Spaß mit Schülern zu arbeiten, als sie mir vorzustellen. Sicherlich werde ich aber bestimme Inhalte auch künftig als Videos anlegen (z.B. durchgeführte Versuche).

Einigen Lehrern bereitet es schon Schwierigkeiten, den Tageslichtprojektor richtig einzustellen. Woher kommt es, dass Sie so eine Technik-Affinität besitzen? Können Sie Ihr Know-How mit anderen Lehrern teilen?

Also die meisten Kollegen können deutlich mehr als einen TGL richtig einzustellen. Mein Know-How ist auch nicht sonderlich hoch. Ich arbeite mit ganz einfachen Mitteln: Handy als Kamera und als Schneideprogramm das Standardprogramm von Microsoft,das auf jedem Windows-Rechner vorhanden ist. Die Profi-Programme sind viel zu verführerisch, da würde ich die ganze Zeit Knalleffekte einbauen, hihihi.

Falls Sie jetzt auf YouTube durchstarten, lässt sich das dann mit dem Lehrerberuf am Gymnasium noch vereinbaren oder müssen wir künftig auf Sie als Physiklehrer verzichten?

Das ist ja süß, aber es gibt nur eine Sache bei der ich regelmäßig durchstarte und das ist an der Kaffeemaschine.

Zu den beliebtesten YouTubern in Deutschland gehören derzeit „Julien Bam“, BibisBeautyPalace“ und „Kurzgesagt – In a Nutshell“. Im schulischen Bereich ist Simple-Club“ einer der Vorreiter. Sind Sie mit der„YouTube-Szene“ vertraut und wenn ja, welche Kanäle inspirieren Sie für eigene Videos?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich zum Einrichten des Kanals viel Zeit benötigt. Ich bin also kein YouTuber. Simple-Club wurde mir von Schülern empfohlen und wir schauen das hin und wieder im Unterricht. Aber die Szene verfolge ich sicher nicht, wenn dann suche ich gezielt nach Inhalten. Für meine eigenen Videos schaue ich gar nichts an, das beschneidet mich in meiner Kreativität. Ich will meine Ideen einfach umsetzen, ohne mich beeinflussen zu lassen. Ich frage auch niemanden, ich mach einfach.

Wie sieht bisher die Resonanz von Schüler- und Lehrerseite aus?

Meine Lieblingskollegen veralbern mich natürlich, aber das ist bei uns ja guter Standard. Von meinen Schülern habe ich bisher noch nicht viele Rückmeldungen bekommen, aber die wenigen waren positiv.

Auf welche Videos oder Projekte können wir uns künftig freuen? Könnten Sie sich auch vorstellen „Vlogs“ oder Kooperationen mit anderen Lehrern hochzuladen?

Mal sehen, das Ganze muss sich jetzt entwickeln. Letzte Woche dachte ich noch, dass ich diese Woche im Schullandheim bin. Jetzt mache ich Physik-Videos. Man muss flexibel bleiben.

Vielen Dank, dass Sie sich für das Interview Zeit genommen haben! Wir wünschen weiterhin fröhliches Filmen und freuen uns auf neue Videos!