Das Buch „Nennen wir sie Eugenie“ (gesprochen „Öschenie“) veröffentlicht im Main Verlag ist der erste Roman von Maria Braig. Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit.

Schon das Cover deutet an, von was dieses Buch handeln könnte, da Schlagwörter wie „Zwang“, „Asyl“ und „Hass“ aufgelistet werden.

Die junge Frau Eugenie muss aus ihrem Heimatland, dem Senegal, fliehen, da dort ihre Liebe zu einer anderen Frau nicht geduldet wird und sie mit einem ihr unbekannten Mann zwangsverheiratet werden soll. Mit dem Flugzeug flieht Eugenie nach Europa. Nach Deutschland. Dort erhofft sie sich Schutz und bittet um Asyl. In Deutschland angekommen gerät Eugenie in die Mühle des Asylverfahrens: Anhörung, Unterbringung in einer heruntergekommenen Sammelunterkunft, Residenzpflicht und schlechte Lebensbedingungen aufgrund des Asylbewerberleistungsgesetzes. Sie lernt andere Flüchtlinge und deren Schicksalsschläge kennen, durchlebt alle möglichen Gefühle und entdeckt eine Welt, die ihr zugleich Freiheit verspricht und Ausgrenzung vorlebt.

Am Anfang des Buches wird beschrieben, woher Maria Braig die Informationen zu ihrer Geschichte hat, und wie sie überhaupt auf das Thema gestoßen ist.

Ab Seite 15 beginnt die eigentliche Geschichte Eugenies. Dieser Abschnitt beinhaltet den Großteil des Buchs. Er ist verständlich und flüssig geschrieben, wodurch der Text leicht lesbar ist. Auch werden die Gefühle der Protagonistin und ihren Bekanntschaften auf dem Weg nach Deutschland und in Deutschland selbst deutlich hervorgehoben, weshalb man sich gut mit ihnen Identifizieren kann. Auch wird verstärk der Unterschied der Kulturen in verschieden Ländern und die Rechte und Pflichten deren Bewohner betont. Die zum Teil miserablen Lebensumstände in den Sammelunterkünften für die Asylsuchenden werden verdeutlicht und bildlich dargestellt. Es wird einem bewusst vor Augen geführt, wie gut wir es haben und wie glücklich wir uns schätzen können, in einem Land mit so großer Freiheit aufwachsen zu dürfen.

Gestört hat mich allerdings die Tatsache, dass das Asylverfahren ausschließlich von seiner schlechten Seite beschrieben wurde. Das komplette System wurde als ungerecht und menschenunfreundlich angesehen, wodurch sich mir die Frage stellt, welche Alternativen es geben könnte. Etwas Verständnis von Seiten der Protagonistin für die begrenzten Ressourcen auch in Deutschland hat mir gefehlt, so wie die Akzeptanz, dass nun mal nicht alle Flüchtlinge aus jedem Grund aufgenommen werden können. Verständlich ist schon, dass es in dieser Situation als unfair gesehen wird, aber es gibt unzählige Fluchtursachen. Manche sind einfach bedrohlicher als andere und stehen deshalb an höherer Stelle im Asylverfahren.

Ab Seite 185 von insgesamt 226 folgt der Anhang. Hier wird beispielsweise der Senegal und die rechtliche Situation dort beschrieben. Auch werden Fachbegriffe wie Dublinverfahren oder Besonderheiten für „LSBT*I*“-Geflüchtete (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle) erklärt. Dieser Abschnitt des Buches lässt sich nicht als Fließtext lesen, sondern ist eher als Nachschlagewerk zu verwenden. (Der ein oder andere Fachbegriff, der sich dort finden lässt, kann auch in einer Gemeinschaftskundeklassenarbeit abgefragt werden 😉)

Abschließend kann man sagen, dass das Buch „Nennen wir sie Eugenie“ einem eine komplett andere Sicht rund um das Asylverfahren ermöglicht. Gleichzeitig lernt man dieses komplizierte und zum Teil verwirrende System der Flüchtlingsaufnahme in einer verständlichen Form kennen. Die Geschichte ist realistisch geschrieben und verschafft dadurch einen Einblick in die Fluchtversuche von Flüchtlingen aus ihrer Heimat. Ich finde es wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, wie gut wir es haben und sich zu informieren, was in der Welt momentan passiert.

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