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 „Die Abiturprüfungen sind machbar, wenn man es wirklich schaffen will.“ (Marco Schicht)

C„Neben den vier Grundrechenarten Addition, Subtraktion, Division und Multiplikation gab es beim diesjährigen Mathe-Abi in vielen Bundesländern nun auch eine fünfte: die Petition.“ Denn gerade die, in zahlreichen Bundesländern „viel zu schwere“, Mathe-Prüfung sorgte dort für große Aufregung und führte schließlich dazu, dass viele Unterschriften gesammelt wurden. Doch wie schwer war die Prüfung in Baden–Württemberg? Und wie erging es den Schüler*innen der Klassenstufe 12 beim  Abitur?

Diese stellten sich im Zeitraum vom 30. April bis zum 10. Mai den wohl wichtigsten Prüfungen ihrer bisherigen Schullaufbahn. Aber wie kann man es schaffen, bei der Vorbereitung auf die vier Prüfungen, die alle innerhalb von zwei Wochen stattfinden, keinen Stoff zu vernachlässigen? Oder kann die Note letztendlich doch noch durch einen unauffälligen Spickzettel gerettet werden?

Der Abiturient Marco Schicht erklärte sich dazu bereit, in einem Interview einige dieser Fragen zu beantworten und verriet uns dabei seine Erfahrungen beim Abitur, den Prüfungsvorbereitungen, und der Oberstufe.

 

Vor den Prüfungen:

Lehrzeichen: In welchen Fächern machst du deine schriftlichen Abiturprüfungen?

Marco: Mathe, Deutsch, Englisch und Biologie.

 

Lehrzeichen: Wie laufen die Prüfungen ungefähr ab und wo finden sie statt?

Marco: Wir werden die Prüfungen im Kurhaus schreiben. Dort wird jedem eine individuelle Nummer und ein Sitzplatz zugeteilt. Prinzipiell ist alles so wie bei einer normalen Klausur, nur länger, intensiver und mit ein paar dieser Formalitäten.

 

Lehrzeichen: Fühlst du dich von den Lehrern genügend bei den Vorbereitungen

unterstützt?

Marco: Weitestgehend ja. In manchen Fächern mehr, in anderen ein bisschen weniger. Allerdings gibt es keine Lehrer, die einen in dieser Phase hängen lassen, da auch sie wollen, dass ihre Klasse so gut wie möglich in den Prüfungen abschneidet.

 

Lehrzeichen: Die Prüfungen finden recht knapp hintereinander statt. Wie bereitest du dich darauf vor, ohne einzelne Fächer zu vernachlässigen?

Marco: Ich habe recht schnell gemerkt, dass ich die Osterferien intensiv nutzen werden muss, um mit dem Stoff der vier Fächer durchzukommen. Ohne eine grobe Zeitplanung ist das relativ schwierig. Zusätzlich ist es kaum möglich, alle Fächer in einer so kurzen Zeit zu gleichen Anteilen zu behandeln (außer man fängt natürlich ein wenig früher damit an). Demnach habe ich die Ferien hauptsächlich dazu genutzt, die grundlegenden Dinge zu wiederholen und zu üben.

 

Lehrzeichen: Die Klausuren in der Oberstufe machen zusammen 66% des Abiturs aus. Hast du Angst, nun durch die Prüfungen deinen Schnitt der vergangenen zwei Jahre zu verschlechtern?

Marco: Mit den vergangenen Halbjahren konnte ich mir bereits eine ziemlich gute Ausgangslage verschaffen. Da der sprachliche Anteil in den Prüfungen jedoch sehr hoch ist, könnte das durchaus passieren. Demnach versuche ich, die Prüfungen bestmöglich zu meistern. Andererseits bin ich sehr froh, dass die Halbjahre die Gesamtnote so sehr beeinflussen und nicht alles auf die reinen Abiturprüfungen beschränkt wird.

 

Lehrzeichen: Oft wird behauptet, beim Abitur komme es hauptsächlich darauf an, von welchen Lehrern man in der Oberstufe unterrichtet wird. Stimmst du dem zu oder ist deiner Meinung nach jeder Schüler für seine Noten selbst verantwortlich?

Marco: Ich persönlich würde behaupten, dass das im Abitur selbst keine allzu große Rolle spielt. Klar ist, dass man mit dem ein oder anderen Lehrer besser klarkommt und demnach unter Umständen alles besser versteht. Allerdings ist der Stoff für jeden derselbe. Meiner Meinung nach spielt die Frage nach dem Lehrer in Bezug auf die allgemeinen Ansprüche in den Klausuren während der vier Halbjahre eine größere Rolle. Dort haben wir als Schüler schon so einige Unterschiede festgestellt. Jedoch sind Wille und Disziplin hier auch sehr wichtige Faktoren.

 

Lehrzeichen: Was ist deiner Meinung nach die größte Schwierigkeit am Abitur?

Marco: Die größte Schwierigkeit in dem Sinne ist ganz klar die Menge an Stoff in so einer relativ kurzen Zeitspanne zu wiederholen und zu üben. Hinzu kommt, dass es während der Ferien selbst auf einmal unzählige Chancen gibt, mit seinen Freunden Zeit zu verbringen, da fast alle daheim sind und neben dem Lernen etwas unternehmen wollen. Dann das Lernen nicht zu vernachlässigen, ist manchmal auch nicht ganz so einfach.

 

Lehrzeichen: Ein Sprichwort lautet: „Aus Schlaf, guten Noten und Freizeit muss sich ein Schüler zwei Dinge aussuchen. Für alle drei hat er leider keine Zeit.“ Kannst du dem vor allem im Hinblick auf die Prüfungsvorbereitungen zustimmen?

Marco: (Leider) ist an solchen Sprichwörtern oftmals zumindest ein bisschen Wahrheit dran. Um ehrlich zu sein, beansprucht das Lernen für die Prüfungen wirklich ziemlich viel Zeit der Ferien und verlangt zudem Durchhaltevermögen. Der Schlaf sollte dabei möglichst auch nicht zu kurz kommen. Allerdings sollte das keine Abschreckung sein. Mit ein wenig Planung lässt sich das Lernen relativ entspannt gestalten, sodass man trotzdem noch die Ferien genießen kann. Zudem lernt es sich am besten, wenn man zwischendurch auch mal Pausen macht und seinen Hobbys nachgeht. Ganz nach dem Motto: Lieber in kürzerer Zeit effizient arbeiten und sich dann auch mal eine Pause gönnen.

 

Lehrzeichen: Bist du froh, dass du nun mit den Abiturprüfungen deine Schulzeit beendest oder würdest du lieber noch ein paar Jahre länger zur Schule gehen?

Marco: Die Abiturprüfungen stellen für mich die letzte große Hürde der Schullaufbahn dar. Ist diese geschafft, dann sehe ich das als einen gelungenen Abschluss an. Zum einen werde ich natürlich froh sein, dass das alles dann vorbei ist. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich die Schulzeit am Gymnasium als eine sehr schöne Zeit empfunden habe und mir der tägliche Kontakt mit all meinen Freunden fehlen wird.

 

Lehrzeichen: Was willst du nach dem Abitur machen? Wie sehr, glaubst du, hilft dir dort das, was du nun in der Schule gelernt hast?

Marco: Mein bisheriger Plan ist es, nach dem Abi einen Bundesfreiwilligendienst an meiner alten Grundschule zu machen. In dieser Zeit möchte ich natürlich so viel es geht nebenher reisen. Anschließend habe ich mir vorgenommen, entweder Pharmazie oder Biologie und Chemie auf Lehramt zu studieren. Dort werde ich zwar (hoffentlich) keine Werkvergleiche mehr schreiben müssen, aber sicherlich auf das ein oder andere Wissen aus der Schule zurückgreifen können.

 

Nach den Prüfungen:

Lehrzeichen: Waren die Prüfungen deiner Meinung nach fair?

Marco: Generell lässt sich sagen, dass die Prüfungen im Großen und Ganzen sehr fair waren. Das Niveau der Aufgaben war auf jeden Fall hoch, aber angemessen, sodass die Prüfungen mit dem in der Schule behandelten Stoff gut machbar waren. Tendenziell entspricht die Schwierigkeit der Abiturprüfungen der der Aufgaben, welche in der Oberstufe in den Klausuren drankommen.

 

Lehrzeichen: Was war deiner Meinung nach die größte Schwierigkeit an den Prüfungen?

Marco: Meiner Meinung nach ist die größte Schwierigkeit die Dauer der Prüfungszeiten. Dementsprechend muss man sich vor allem gegen Ende nochmals selbst aufraffen, um wirklich bis zum Schluss konzentriert dabei zu bleiben. Im Nachhinein hat man aber das Gefühl, dass die Zeit sehr schnell vergangen ist.

 

Lehrzeichen: Da die Abiturprüfungen als die wichtigsten Prüfungen der Schullaufbahn gelten, sind dort viele Schüler besonders aufgeregt. Wie bist du mit Prüfungsangst umgegangen?

Marco: Hier muss ich sagen, dass ich den Umgang mit der Nervosität vor den Prüfungen in unserer Stufe sehr gut fand. So gab es niemanden, der völlig in Panik verfallen ist und folglich alle anderen auch damit angesteckt hat. Eine gewisse Aufregung ist natürlich bei jedem zu spüren, allerdings gehört diese auch dazu, um eine ordentliche Arbeit abliefern zu können. Ein wenig geholfen hat mir dabei, mich daran zu erinnern, dass die Prüfungen zusammen insgesamt „nur“ 33% der Gesamtnote ausmachen. Ich habe gemerkt, dass sich eine zu hohe Nervosität negativ auf das „klare Denken“ in den Prüfungen auswirken kann.

 

Lehrzeichen: Viele Schüler beschweren sich über den enormen Zeitdruck bei den Prüfungen. Kannst du dem zustimmen?

Marco: Vor den Prüfungen hatte ich auch die Befürchtung, dass die Prüfungszeit eventuell zu knapp  werden könnte. Jedoch ist auch die Zeit, die einem während der Bearbeitung der Aufgaben zu Verfügung steht, sehr fair kalkuliert. Es wird allerdings ein zügiges Arbeiten sowie eine sinnvolle Zeiteinteilung vorausgesetzt.

 

 Lehrzeichen: In vielen Bundesländern wurden wegen des hohen Schwierigkeitsgrades des Mathe-Abis Petitionen gestartet. Wie schwer fandest du diese Prüfung in Baden-Württemberg?

Marco: Auch hier muss ich sagen, dass wir als Stufe das Mathe-Abitur ebenfalls als sehr fair empfunden haben. Man musste natürlich sehr viel nachdenken und teilweise grübeln. Man hatte aber bei jeder Aufgabe eine sehr gute Chance, auf das richtige Ergebnis zu kommen.

 

Lehrzeichen: Viele glauben, bei den Abiturprüfungen sei Spicken unmöglich. Kannst du das bestätigen?

Marco: Als vollkommen unmöglich würde ich andere Dinge bezeichnen. Allerdings muss man hierbei auch dazusagen, dass es die Lehrer möglichen „Spickern“ sehr schwer machen. Allein die „Toilettenaufsicht“ achtet darauf, dass die Prüflinge auf dem Gang miteinander nicht in Kontakt kommen. Handys und andere digitale Geräte müssen auf einem Tisch abgelegt werden. Außerdem lohnt es sich meiner Meinung nach nicht, dieses Risiko bei den Abiturprüfungen einzugehen, da die Konsequenzen des Auffliegens eines Spickers sehr schwerwiegend sind. Zudem ist das Themenspektrum der Prüfungen so groß, sodass sich ein Spicker in den allermeisten Fällen nicht lohnen würde.

 

Lehrzeichen: Nun bist du zwölf Jahre lang fast täglich zur Schule gegangen und hattest dort einen geregelten Tagesablauf. Wie fühlt es sich an, wenn plötzlich alles anders wird?

Marco: Grundsätzlich ist es schön, dass Einiges nun ein wenig lockerer angegangen werden kann als vor den Prüfungen. Allerdings ist die Zeit der geregelten Abläufe nach den Abiturprüfungen noch nicht vorbei. Der Unterricht geht vor allem in den Fächern, in welchen man noch Klausuren und andere Prüfungen hat, normal weiter. Wenn es dann jedoch soweit ist, wird dies zwar zunächst komisch, aber dann sicher auch erleichternd sein, da dann wieder Platz für neue Tagesabläufe gegeben sein wird.

 

Lehrzeichen: Was wirst du an deiner Schulzeit am meisten vermissen?

Marco: Am meisten werde ich ganz klar die Gemeinschaft der Stufe vermissen. Gerade gegen Ende wird einem erst so wirklich klar, wie besonders es ist, seine Freunde und Mitschüler jeden Tag zu treffen und mit ihnen reden zu können. Die Schule ist dabei ein Ort, an welchem alle zusammenkommen und der uns als Stufe zusammenhält.

 

Lehrzeichen: Was ist die wichtigste Erfahrung, die du in der Zeit auf dem Gymnasium für dich mitgenommen hast?

Marco: Die wichtigste Erfahrung, die ich aus all den Jahren am Gymnasium mitnehmen werde ist, dass man mit ein wenig Fleiß, Disziplin, Selbstbewusstsein und vor allem Willensstärke schon vieles erreichen kann, wovon man zuvor dachte, dass das ein schier unmögliches Ziel sei.

 

Lehrzeichen: Welche Tipps kannst du Schülern geben, die ihr Abitur noch vor sich haben?

Marco: Ich persönlich habe während der Zeit in der Oberstufe für die Klausuren in den Fächern, in welchen in die Abiturprüfungen gemacht habe, jeweils eine ziemlich ausführliche Zusammenfassung geschrieben. Dadurch konnte ich zum einen auf die Klausuren lernen und hatte zum anderen beim Lernen auf die Prüfungen Übersichtsblätter, auf welchen das Wichtigste der Themen stand. Diese halfen mir sehr, um mir einen Überblick über alle Themen zu verschaffen. Außerdem ist es sinnvoll, sich einen Lernplan zu erstellen. Versucht, euch dabei nicht zu sehr unter Druck setzten zu lassen und glaubt an euch. Die Abiturprüfungen sind machbar, wenn man es wirklich schaffen will.

Ich wünsche euch dabei viel Erfolg!

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