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Du hast deinen Traumberuf gefunden, kannst dir aber kaum vorstellen, wie der Alltag dort aussieht?

Deshalb bekommt jeder Schüler in der 10. Klasse die Chance, bei einem Unternehmen seiner Wahl ein einwöchiges Praktikum zu absolvieren. Dieses Praktikum, auch BOGY (Berufsorientierung am Gymnasium) genannt, findet in der Regel in der letzten Woche vor den Herbstferien statt. Auch dieses Jahr waren die Zehntklässler vom 22. bis zum 27. Oktober außer Haus, um einen kleinen Einblick in das Berufsleben zu erhalten.

Doch lernt man den Beruf dabei wirklich kennen, oder besteht das BOGY hauptsächlich daraus, Kaffee zu kochen und die restliche Zeit gelangweilt herumzusitzen, weil man als Laie noch keine verantwortungsvollen Aufgaben erledigen darf? Wäre Unterricht vielleicht sinnvoller, wenn nicht sogar spannender als das Praktikum?

Anna Gebhardt (10b) erklärte sich dazu bereit, Fragen zu ihren Erfahrungen im BOGY zu beantworten und uns dadurch Einsicht in ihr Praktikum zu gewähren.

 

Lehrzeichen: Wo hast du dein BOGY gemacht und wieso hast du dich für diese Stelle entschieden?

Anna: Ich habe mich für ein Praktikum in der Grundschule in Isny entschieden, weil ich mich gut mit Kindern verstehe und es mir Spaß macht, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Außerdem hat mich schon immer interessiert, wie es sich anfühlt, Lehrer zu sein.

 

Lehrzeichen: Vor dem Praktikum wird man von Frau Kern davor gewarnt, als „Handlanger“ benutzt zu werden, der nur Kaffee kochen und den Müll raus bringen darf. Kannst du diese Warnung im Nachhinein verstehen?

Anna: Nein, überhaupt nicht. Ich durfte im Unterricht mithelfen und sogar einmal bei einem Kind zu Hause anrufen, weil dies nicht im Unterricht war und das Sekretariat bereits geschlossen hatte. Außerdem konnte ich mit den Kindern spielen und ihnen in der Schülerbetreuung bei den Hausaufgaben helfen.

 

Lehrzeichen: Oft wird behauptet, das BOGY sei entspannt, weil man nicht so lange arbeiten muss, wie man eigentlich in der Schule wäre. Stimmst du dem zu?

Anna: Nein, ich war jeden Tag bis mindestens 15:30 Uhr in der Grundschule. Die Arbeit dort war dazu noch recht anstrengend, weil ich mich durchgehend konzentrieren musste.

 

Lehrzeichen: Nach dem Praktikum hat man von seinem Traumberuf oft eine andere Vorstellung als davor und überdenkt seine Zukunft meist nochmal.

Ist dir jetzt klarer, was du später einmal werden willst?

Anna: Ja, ich möchte immer noch etwas mit Kindern machen, falls dies möglich ist. Außerdem will ich später unbedingt einen Beruf im sozialen Bereich ausüben.

 

Lehrzeichen: Es wird behauptet, eine Woche sei zu kurz für ein Praktikum und das BOGY sei deshalb sinnlos. Kannst du dem im Nachhinein zustimmen?

Anna: Meiner Meinung nach ist eine Woche zwar sehr kurz, das Praktikum war aber trotzdem auf keinen Fall sinnlos.

 

Lehrzeichen: Und nun das Wichtigste: Hat es dir Spaß gemacht?

Anna: Ja, mir hat das Praktikum sehr viel Spaß gemacht. Vor allem, weil mir die Arbeit mit Kindern schon immer gefallen hat. Somit konnte ich mich eine Woche lang intensiv mit dem beschäftigen, was mir Spaß macht und dabei den Grundschullehrerinnen auch noch unter die Arme greifen.

 

Lehrzeichen: Wenn du dich jetzt entscheiden müsstest – würdest du am liebsten gleich ins Berufsleben einsteigen, oder doch lieber weiterhin zur Schule gehen?

Anna: Das ist schwer zu sagen. Am liebsten würde ich weiterhin zur Schule gehen und dennoch an einem Tag pro Woche arbeiten.

 

Lehrzeichen: Welchen Tipp kannst du Schülern geben, die ihr BOGY noch vor sich haben?

Anna: Macht euer Praktikum in einem Beruf, bei dem ihr euch sicher seid, dass er zu euch passt und dass er euch Spaß macht. Dann wird euer BOGY bestimmt nicht langweilig.

 

Doch dieses Interview zeigt nur eine Seite der Realität des BOGYs. Während manche Schüler dabei eine aktive Rolle übernehmen dürfen, haben andere nur die Möglichkeit passiv zuzuschauen. Aber auch dann ist dies eine Chance.

Denn spätestens, wenn man die Anzahl der Studenten und Studentinnen wahrnimmt, die ohne Erfahrung im echten Berufsleben arbeiten müssen, wird einem klar, wie kostbar so eine Chance sein kann. Auch in dem Fall, dass man nur noch weiß, was man in der Zukunft NICHT machen möchte.

Darüber, ob das BOGY wirklich die effektivste Form ist, die Arbeitswelt kennen zu lernen, lässt sich noch streiten, aber eine Tatsache ist unbestreitbar: Niemand absolviert sein Praktikum, ohne dabei irgendwelche Erfahrungen zu sammeln. Und damit ist es doch bereits ein Gewinn.